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Dienstag, 11. Mai 2010
Smørrebrød
Dienstag, 11. Mai 2010
Schon lange habe ich es mir vorgenommen...hier kommt er endlich, mein Beitrag über den Inbegriff der dänischen Esskultur: Das Smørrebrød!
Jeden Tag um die Mittagszeit finden sich Grüppchen von Dänen bei uns am Tisch zusammen, fördern eine gut gefüllte Gemüsefachbox mit einem schier unüberschaubaren Sammelsurium an Einzelkomponenten aus dem Kühlschrank zutage und bauen sich ihre kunstvollen Smørrebrød-Scheiben. Ein immer wieder faszinierendes Schauspiel.
Nach nunmehr zwei Jahren im Land des Smørrebrøds wage ich mich nun an dieses sensible Thema, und hoffe, ich bin inzwischen halbwegs qualifiziert, mich dazu zu äußern.
Zu Beginn muss ich mit einem weitverbreiteten Irrtum aufräumen: Smørrebrød heißt nicht "Butterbrot", sondern schlicht und simpel "geschmiertes Brot". "Butter" auf dänisch heißt also quasi "Schmier". Auch schön.
Ich habe übrigens mehrfach ausprobiert, in Gegenwart von Dänen den Spruch "Smørrebrød, smørrebrød, rømmpømmpømm" aufzusagen... keine Reaktion. Dieser Ausspruch ist offenbar urdeutsch und der Däne an sich kann damit nichts anfangen, und guckt nur etwas irritiert, während er sich fragt, was der Quatsch wohl bedeuten soll.
Nun aber zum Objekt der Abhandlung. Das Wichtigste vorweg: Beim Smørrebrød kann man sehr viel falsch machen. Obwohl es scheinbar unendlich viele Rezepte und Varianten gibt, würde es einem ungelernten Smørrebrødzubereiter mit 100%iger Sicherheit gelingen, ein oder sogar mehrere No-Go's zu begehen.
Die erlaubten Kombinationen sind mehr oder weniger in Stein gemeisselt; krasse Regelverstöße werden mit Unglauben, Ekelbekundungen und sozial-kultureller Isolation bestraft!
Grundsätzlich gilt: Eine Sache allein aufs Brot zu legen ist unmöglich. So wie wir das eben kennen, Brot-Butter-Schinkenscheibe oder Brot-Butter-Käsescheibe, das geht nicht. Es muss mindestens noch eine Lage dazu, und wenn es nur Sauce ist, obwohl, nein, was sage ich da, auf die Sauce muss eigentlich auch mindestens noch irgendetwas gestreut werden. Grundsätzlich muss man Roggenbrot oder wenigstens dunkles Körnerbrot verwenden, helles Brot ist nur in Ausnahmefällen erlaubt (s.u.).
Am besten, ich gebe mal ein paar Beispiele, wie so ein Smørrebrødklassiker aussehen kann. Man beachte, dass die Reihenfolge beinahe genauso wichtig ist, wie die Kombination der Komponenten!
Klassiker 1: Brot - Butter - gekochtes Ei in Scheiben - Mayonnaise - Krabben - Zitronenschiffchen
Klassiker 2: Brot - Butter - Frikadelle in Scheiben - Rotkohl - Apfelsinenscheibe
(die Apfelsinenscheibe darf auch gegen eingelegte Gurkenscheiben eingetauscht werden)
Klassiker 3: Brot - Butter - Leverpostej (dänische Leberpastete, etwas gröber als unsere Leberwurst, wird in Scheiben aufs Brot gelegt) - eingelegte Rote-Beete in Scheiben - Cornichons
(Man darf auch noch mit Bacon kombinieren, Tomate ist hier auch erlaubt)
Klassiker 4: Brot - Butter - Roastbeef - Remoulade - Röstzwiebeln - geriebener Meerrettich - eingelegte Gurkenscheiben - Tomatenschiffchen
Klassiker 5: Brot - Butter - Rullepølse (gerollte und dann in Scheiben geschnittene Schinkenwurst/Pastete) - Aspik - Zwiebelringe - Tomate (hier ist auch helles Brot erlaubt)
Klassiker 6: Brot - Butter - Salami - Remoulade - Chilipulver
(wobei ich hier mal gehört habe, dass die Frage nach Remoulade oder Majonaise die Nation spaltet)
Klassiker 7: Brot - Butter - längs halbierte Wienerwürstchen - Senf - Ketchup - eingelegte Gurkenscheiben - Röstzwiebeln
Diese Sorten wird man hier in jeder gut sortierten Kantine vorfinden, und die Zutaten wohl auf jedem ordentlichen Buffet. Kein noch so kleiner Supermarkt, der nicht wenigstens das Rüstzeug für ein paar dieser Standards im Regal hat. Oft sogar nach Smørrebrød-Zugehørigkeit geordnet!
Kürzlich wurde im Radio die ganze Vormittagssendung damit verbracht, die Frage zu klären, ob und wenn ja welchen Unterschied es gibt zwischen "Postej" und "Paté", und mit was man welche Variante wie auf dem Brot kombinieren darf. Ist das nicht faszinierend?
Interessanterweise verhält es sich mit dieser "Regeltreue" nicht nur beim Smørrebrød so. In ähnlicher Weise gilt das für andere Gerichte und auch für Gebäck. Also, wenn der falsche Belag auf dem falschen Tortenboden ist, oder die falsche Glasur auf der falschen Creme, dann wird erst einmal spekuliert, welche "eigentlichen" Kuchen denn hier kombiniert wurden.
Um so richtig in die Geheimnisse der dänischen Esskultur einzutauchen muss man wohl eine Weile in einer dänischen Familie leben und essen - eine Erfahrung, die mir bisher leider nicht zuteil geworden ist. Aber vom täglichen Schauspiel am Mittagstisch lässt sich zumindest eins feststellen: Ein richtiges Smørrebrød zu schmieren ist eine hohe Kunst, der unser deutsches, leicht abfälliges "rømmpømmpømm" - Gehabe so gar nicht gerecht wird.
In diesem Sinne: Guten Appetit!
Jeden Tag um die Mittagszeit finden sich Grüppchen von Dänen bei uns am Tisch zusammen, fördern eine gut gefüllte Gemüsefachbox mit einem schier unüberschaubaren Sammelsurium an Einzelkomponenten aus dem Kühlschrank zutage und bauen sich ihre kunstvollen Smørrebrød-Scheiben. Ein immer wieder faszinierendes Schauspiel.
Nach nunmehr zwei Jahren im Land des Smørrebrøds wage ich mich nun an dieses sensible Thema, und hoffe, ich bin inzwischen halbwegs qualifiziert, mich dazu zu äußern.
Zu Beginn muss ich mit einem weitverbreiteten Irrtum aufräumen: Smørrebrød heißt nicht "Butterbrot", sondern schlicht und simpel "geschmiertes Brot". "Butter" auf dänisch heißt also quasi "Schmier". Auch schön.
Ich habe übrigens mehrfach ausprobiert, in Gegenwart von Dänen den Spruch "Smørrebrød, smørrebrød, rømmpømmpømm" aufzusagen... keine Reaktion. Dieser Ausspruch ist offenbar urdeutsch und der Däne an sich kann damit nichts anfangen, und guckt nur etwas irritiert, während er sich fragt, was der Quatsch wohl bedeuten soll.
Nun aber zum Objekt der Abhandlung. Das Wichtigste vorweg: Beim Smørrebrød kann man sehr viel falsch machen. Obwohl es scheinbar unendlich viele Rezepte und Varianten gibt, würde es einem ungelernten Smørrebrødzubereiter mit 100%iger Sicherheit gelingen, ein oder sogar mehrere No-Go's zu begehen.
Die erlaubten Kombinationen sind mehr oder weniger in Stein gemeisselt; krasse Regelverstöße werden mit Unglauben, Ekelbekundungen und sozial-kultureller Isolation bestraft!
Grundsätzlich gilt: Eine Sache allein aufs Brot zu legen ist unmöglich. So wie wir das eben kennen, Brot-Butter-Schinkenscheibe oder Brot-Butter-Käsescheibe, das geht nicht. Es muss mindestens noch eine Lage dazu, und wenn es nur Sauce ist, obwohl, nein, was sage ich da, auf die Sauce muss eigentlich auch mindestens noch irgendetwas gestreut werden. Grundsätzlich muss man Roggenbrot oder wenigstens dunkles Körnerbrot verwenden, helles Brot ist nur in Ausnahmefällen erlaubt (s.u.).
Am besten, ich gebe mal ein paar Beispiele, wie so ein Smørrebrødklassiker aussehen kann. Man beachte, dass die Reihenfolge beinahe genauso wichtig ist, wie die Kombination der Komponenten!
Klassiker 1: Brot - Butter - gekochtes Ei in Scheiben - Mayonnaise - Krabben - Zitronenschiffchen
Klassiker 2: Brot - Butter - Frikadelle in Scheiben - Rotkohl - Apfelsinenscheibe
(die Apfelsinenscheibe darf auch gegen eingelegte Gurkenscheiben eingetauscht werden)
Klassiker 3: Brot - Butter - Leverpostej (dänische Leberpastete, etwas gröber als unsere Leberwurst, wird in Scheiben aufs Brot gelegt) - eingelegte Rote-Beete in Scheiben - Cornichons
(Man darf auch noch mit Bacon kombinieren, Tomate ist hier auch erlaubt)
Klassiker 4: Brot - Butter - Roastbeef - Remoulade - Röstzwiebeln - geriebener Meerrettich - eingelegte Gurkenscheiben - Tomatenschiffchen
Klassiker 5: Brot - Butter - Rullepølse (gerollte und dann in Scheiben geschnittene Schinkenwurst/Pastete) - Aspik - Zwiebelringe - Tomate (hier ist auch helles Brot erlaubt)
Klassiker 6: Brot - Butter - Salami - Remoulade - Chilipulver
(wobei ich hier mal gehört habe, dass die Frage nach Remoulade oder Majonaise die Nation spaltet)
Klassiker 7: Brot - Butter - längs halbierte Wienerwürstchen - Senf - Ketchup - eingelegte Gurkenscheiben - Röstzwiebeln
Diese Sorten wird man hier in jeder gut sortierten Kantine vorfinden, und die Zutaten wohl auf jedem ordentlichen Buffet. Kein noch so kleiner Supermarkt, der nicht wenigstens das Rüstzeug für ein paar dieser Standards im Regal hat. Oft sogar nach Smørrebrød-Zugehørigkeit geordnet!
Kürzlich wurde im Radio die ganze Vormittagssendung damit verbracht, die Frage zu klären, ob und wenn ja welchen Unterschied es gibt zwischen "Postej" und "Paté", und mit was man welche Variante wie auf dem Brot kombinieren darf. Ist das nicht faszinierend?
Interessanterweise verhält es sich mit dieser "Regeltreue" nicht nur beim Smørrebrød so. In ähnlicher Weise gilt das für andere Gerichte und auch für Gebäck. Also, wenn der falsche Belag auf dem falschen Tortenboden ist, oder die falsche Glasur auf der falschen Creme, dann wird erst einmal spekuliert, welche "eigentlichen" Kuchen denn hier kombiniert wurden.
Um so richtig in die Geheimnisse der dänischen Esskultur einzutauchen muss man wohl eine Weile in einer dänischen Familie leben und essen - eine Erfahrung, die mir bisher leider nicht zuteil geworden ist. Aber vom täglichen Schauspiel am Mittagstisch lässt sich zumindest eins feststellen: Ein richtiges Smørrebrød zu schmieren ist eine hohe Kunst, der unser deutsches, leicht abfälliges "rømmpømmpømm" - Gehabe so gar nicht gerecht wird.
In diesem Sinne: Guten Appetit!
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Nichts Besonderes
Dienstag, 11. Mai 2010
Die Zeit rast so dahin, meine liebe Freunde, und ich kann aus jüngster Vergangenheit keine spannende Geschichte herbeizaubern. Und fürs 'freie Philosophieren' fehlt mir gerade die Zeit. Trotzdem will ich mich kurz melden und im Kurzformat berichten, was es Neues gibt:
Ich habe die erste Rennradausfahrt des Jahres gemacht, und es war herrlich!
Die Flohmarktsaison ist wieder eröffnet, hurra, zwei mal im Monat darf wieder nach Herzenslust nach unverhofften Schnäppchen gestöbert werden.
Ich habe nach 2 Jahren dänischer Tastatur entdeckt, dass es eine Taste mit Umlaut-Pünktchen gibt und ich mir nicht mehr die Alt+Dreiziffernfolge Kombinationen merken muss.
Eine meiner Kornnattern hat kürzlich suizidale Tendenzen entwickelt. Sie hat - ich weiss nicht wie - ihren Kopf durch ein winzig kleines Loch im Boden eines Pflanztöpfchens gesteckt und saß dann fest. Zum Glück habe ich es recht schnell bemerkt und sie in einer abenteuerlichen Rettungsaktion unter dem Einsatz einer Nagelschere wieder befreit. Puh, zum Glück hat keiner von uns beiden eine Verletzung davongetragen.
Vorletztes Wochenende wurde doch tatsächlich versucht, bei mir einzubrechen. Mit einem Stemmeisen wurde eins meiner Fenster (wohlgemerkt nach vorne zur Straße raus) aufgebrochen. Ich war nicht zu Hause, aber zum Glück hat meine Vermieterin etwas gehört (es war 5 Uhr morgens), und hat aus dem Fenster gesehen. Auf ihren lautstarken Protest hin, sind die Täter geflüchtet, nachdem der eine schon zur Hälfte in meiner Fensteröffnung gehangen hatte. Glücklicherweise sind sie leer ausgegangen. Trotzdem ein unangenehmes Gefühl.
Ich habe den (das?) erste Risotto meines Lebens gekocht, und es hat fantastisch geschmeckt! Danke an die lieben Freunde, die mir das Wunderkochbuch geschenkt haben. Dieses Wochenende werde ich mich erstmals an Spargel wagen, glaube ich.
So, und nun ist die Mittagspause auch schon wieder vorbei, und Ihr seid wieder auf dem neusten Stand.
Viele Grüße!
Ich habe die erste Rennradausfahrt des Jahres gemacht, und es war herrlich!
Die Flohmarktsaison ist wieder eröffnet, hurra, zwei mal im Monat darf wieder nach Herzenslust nach unverhofften Schnäppchen gestöbert werden.
Ich habe nach 2 Jahren dänischer Tastatur entdeckt, dass es eine Taste mit Umlaut-Pünktchen gibt und ich mir nicht mehr die Alt+Dreiziffernfolge Kombinationen merken muss.
Eine meiner Kornnattern hat kürzlich suizidale Tendenzen entwickelt. Sie hat - ich weiss nicht wie - ihren Kopf durch ein winzig kleines Loch im Boden eines Pflanztöpfchens gesteckt und saß dann fest. Zum Glück habe ich es recht schnell bemerkt und sie in einer abenteuerlichen Rettungsaktion unter dem Einsatz einer Nagelschere wieder befreit. Puh, zum Glück hat keiner von uns beiden eine Verletzung davongetragen.
Vorletztes Wochenende wurde doch tatsächlich versucht, bei mir einzubrechen. Mit einem Stemmeisen wurde eins meiner Fenster (wohlgemerkt nach vorne zur Straße raus) aufgebrochen. Ich war nicht zu Hause, aber zum Glück hat meine Vermieterin etwas gehört (es war 5 Uhr morgens), und hat aus dem Fenster gesehen. Auf ihren lautstarken Protest hin, sind die Täter geflüchtet, nachdem der eine schon zur Hälfte in meiner Fensteröffnung gehangen hatte. Glücklicherweise sind sie leer ausgegangen. Trotzdem ein unangenehmes Gefühl.
Ich habe den (das?) erste Risotto meines Lebens gekocht, und es hat fantastisch geschmeckt! Danke an die lieben Freunde, die mir das Wunderkochbuch geschenkt haben. Dieses Wochenende werde ich mich erstmals an Spargel wagen, glaube ich.
So, und nun ist die Mittagspause auch schon wieder vorbei, und Ihr seid wieder auf dem neusten Stand.
Viele Grüße!
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Mittwoch, 21. April 2010
Nobler Besuch
Mittwoch, 21. April 2010
Der Glanz des diesjährigen Nobelpreises in Chemie an Tom Steitz, Venkatraman Ramakrishnan und Ada Yonath (für die Strukturaufklärung des Ribosoms), strahlt in besonderer Weise bis zu uns nach Århus, denn mein Chef war als Postdoc bei Tom Steitz in Yale, und ein weiterer Professor hier aus dem Institut war seinerseits als Postdoc bei Venki Ramakrishnan in Cambridge. Beide haben also direkt an den Projekten mitgearbeitet, für deren Gesamtergebnis dann ihre Chefs den Preis bekamen.
Sie sind natürlich beide per 'Du' mit ihren ehemaligen Chefs und haben sie letzte Woche hierher eingeladen, um ein bisschen zu feiern und natürlich, um Vorträge über ihre Arbeit zu halten.
Aufgrund der Vulkanaschewolke konnte Venki Ramakrishnan leider nicht kommen, aber sein Vortrag wurde über einen Live-Videostream übertragen. Tom Steitz aber kam, und hielt dann gleich zwei Vorträge, weil er aufgrund des Flugverbots insgesamt 6 Tage hier in Århus fest sass.
Das muss man sich mal bildlich vorstellen: man sitzt an seinem Schreibtisch und plötzlich kommt der Chef um die Ecke, im Schlepptau seinen ehemaligen Chef, und sagt: "Hey, may I introduce you to Tom Steitz?" Ich springe also auf, schüttele Hände und sage "Oh,.... erm....hi!". Meine Kollegin ist da etwas geistesgegenwärtiger und sagt: "It's a pleasure!" Mist, warum ist mir das nicht eingefallen?
Naja, die Herren sind eh sehr beschäftigt und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind, wieder von der Türschwelle. Puh - erstmal von dem Schreck erholen.
Abends sitzt man dann nett beim Freitagsbierchen zusammen, und ein Kollege öffnet seine Bierflasche so schwungvoll mit dem Griff einer Gabel, dass der Kronkorken quer durch den Raum fliegt und mitten auf dem Hemd vom Chef landet. Neben ihm sitzt sein glanzumwobener Ex-Chef, macht grosse Augen und grinst. Tja, lacht Chef, ist eben alles etwas lockerer bei uns. Der Kollege versinkt natürlich beinahe im Erdboden und sagt, das sei nicht das, was er vorgehabt hätte. Nee, lachen wir, da hätte er noch einen Stuhl weiter zielen müssen. Worauf er erwidert, dass das wohl das einzige gewesen sei, was dieses Missgeschick noch schlimmer hätte machen können. Alles lacht, es ist ein netter Abend.
Am Ende sagt Herr Steitz: "There are good things happening in this group. Keep it up!".
Die Chance, mich persönlich noch richtig mit ihm zu unterhalten, ergab sich leider nicht mehr. Wie das so ist, sind solch berühmte Personen ja ständig umringt und ihre Aufmerksamkeit heiss umkämpft.
Dennoch waren seine Vorträge und allein die Anwesenheit sehr inspirierend und haben mich einmal mehr daran erinnert, warum ich Strukturbiologin geworden bin und nie etwas anderes machen wollen würde. Die Möglichkeit, das Unsichtbare sichtbar zu machen und die Maschinerie des Lebens zu verstehen ist (zumindest bisher) mit keiner anderen Methode als der unseren so direkt möglich - zumindest nicht so detailliert (man will ja keinen Eletronenmikroskopikern auf den Schlips treten). Und die Tatsache, dass keine andere Methode in den Lebenswissenschaften so viele Nobelpreise hervorgebracht hat, wie die Strukturanalyse (angefangen von Herrn Röntgen selbst - auch wenn der noch nicht wusste, was Röntgenkristallographie sein würde - über Max Perutz, Watson und Crick, zu John Walker, Roger Kornberg und eben Tom Steitz und Venki Ramakrishnan), gibt mir Recht, wenn ich sage: Das ist einfach der tollste und spannendste Beruf der Welt!
Okay, okay, ich höre ja schon auf. Aber manchmal muss man sich einfach selbst mal wieder daran erinnern, vor allem, wenn man gerade weniger angenehme Aufgaben zu erledigen hat, als die grossen Rätsel den Lebens zu entschlüsseln, zum Beispiel Literaturrecherche in Enzymkinetik....der ich mich jetzt leider wieder zuwenden muss. Seufz...
Sie sind natürlich beide per 'Du' mit ihren ehemaligen Chefs und haben sie letzte Woche hierher eingeladen, um ein bisschen zu feiern und natürlich, um Vorträge über ihre Arbeit zu halten.
Aufgrund der Vulkanaschewolke konnte Venki Ramakrishnan leider nicht kommen, aber sein Vortrag wurde über einen Live-Videostream übertragen. Tom Steitz aber kam, und hielt dann gleich zwei Vorträge, weil er aufgrund des Flugverbots insgesamt 6 Tage hier in Århus fest sass.
Das muss man sich mal bildlich vorstellen: man sitzt an seinem Schreibtisch und plötzlich kommt der Chef um die Ecke, im Schlepptau seinen ehemaligen Chef, und sagt: "Hey, may I introduce you to Tom Steitz?" Ich springe also auf, schüttele Hände und sage "Oh,.... erm....hi!". Meine Kollegin ist da etwas geistesgegenwärtiger und sagt: "It's a pleasure!" Mist, warum ist mir das nicht eingefallen?
Naja, die Herren sind eh sehr beschäftigt und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind, wieder von der Türschwelle. Puh - erstmal von dem Schreck erholen.
Abends sitzt man dann nett beim Freitagsbierchen zusammen, und ein Kollege öffnet seine Bierflasche so schwungvoll mit dem Griff einer Gabel, dass der Kronkorken quer durch den Raum fliegt und mitten auf dem Hemd vom Chef landet. Neben ihm sitzt sein glanzumwobener Ex-Chef, macht grosse Augen und grinst. Tja, lacht Chef, ist eben alles etwas lockerer bei uns. Der Kollege versinkt natürlich beinahe im Erdboden und sagt, das sei nicht das, was er vorgehabt hätte. Nee, lachen wir, da hätte er noch einen Stuhl weiter zielen müssen. Worauf er erwidert, dass das wohl das einzige gewesen sei, was dieses Missgeschick noch schlimmer hätte machen können. Alles lacht, es ist ein netter Abend.
Am Ende sagt Herr Steitz: "There are good things happening in this group. Keep it up!".
Die Chance, mich persönlich noch richtig mit ihm zu unterhalten, ergab sich leider nicht mehr. Wie das so ist, sind solch berühmte Personen ja ständig umringt und ihre Aufmerksamkeit heiss umkämpft.
Dennoch waren seine Vorträge und allein die Anwesenheit sehr inspirierend und haben mich einmal mehr daran erinnert, warum ich Strukturbiologin geworden bin und nie etwas anderes machen wollen würde. Die Möglichkeit, das Unsichtbare sichtbar zu machen und die Maschinerie des Lebens zu verstehen ist (zumindest bisher) mit keiner anderen Methode als der unseren so direkt möglich - zumindest nicht so detailliert (man will ja keinen Eletronenmikroskopikern auf den Schlips treten). Und die Tatsache, dass keine andere Methode in den Lebenswissenschaften so viele Nobelpreise hervorgebracht hat, wie die Strukturanalyse (angefangen von Herrn Röntgen selbst - auch wenn der noch nicht wusste, was Röntgenkristallographie sein würde - über Max Perutz, Watson und Crick, zu John Walker, Roger Kornberg und eben Tom Steitz und Venki Ramakrishnan), gibt mir Recht, wenn ich sage: Das ist einfach der tollste und spannendste Beruf der Welt!
Okay, okay, ich höre ja schon auf. Aber manchmal muss man sich einfach selbst mal wieder daran erinnern, vor allem, wenn man gerade weniger angenehme Aufgaben zu erledigen hat, als die grossen Rätsel den Lebens zu entschlüsseln, zum Beispiel Literaturrecherche in Enzymkinetik....der ich mich jetzt leider wieder zuwenden muss. Seufz...
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Sonntag, 18. April 2010
'Kings and Queens' der Straße
Sonntag, 18. April 2010
Hach, meine lieben Freunde, es ist schon wieder so viel passiert, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.
Wo war ich? Ach ja, Frühling, Motorrad fahren!
Ja, das habe ich auch gemacht, letzten Samstag. Um nicht ziellos in der Gegend herumzudüsen, bin ich zu einer Reptilienbörse in Hedensted gefahren, etwa 60 km südlich von Århus. Zu versuchen, „Hedensted“ auf Dänisch auszusprechen, ist übrigens eine echte Herausforderung, vor allem, wenn man dabei nicht ausgesprochen retardiert aussehen möchte. Das dänische „d“ entspricht einem Laut, der ungefähr auf halbem Wege zum englischen „th“ verhungert ist. Oder, mit anderen Worten: man versuche, ein „L“ zu sprechen, aber dabei die Zungenspitze nicht oben an den Gaumen zu bewegen, sondern unten im Mund zu lassen. Heraus kommt ein Laut, der etwa wie „hwll“ mit einem Mund voll Kartoffelchips klingt. Irgendwie neigt man dann auch noch dazu, den Unterkiefer etwas nach vorne zu schieben, was dann zu dem erwähnten dämlichen Gesichtsausdruck führt. Und das „e“ klingt für deutsche Ohren in diesem Zusammenhang eher wie ein „i“. Naja, lange Rede, kurzer Sinn, ich bin also Samstag nach „Hihwllinnstihwll“.
Das Wetter war traumhaft, vielleicht noch ein klein bisschen zu kalt, wegen des recht starken Windes, aber die Sonne war traumhaft.
Die Börse war nett, man kennt das ja: viele tätowierte Typen, Kinder die stolz mit abgestumpften Königspythen auf dem Arm herumlaufen…aber es gab auch ein paar echte Highlights. Beispielsweise bin ich ganz unerwartet auf einen Anbieter gestoßen, der Nachzuchten von Oreocryptophis porphyracea laticintus dabei hatte, eine wunderschöne kleine Bambusnatter, die mich doch sehr in Versuchung gebracht hat, da ich diese Art schon immer habe halten wollen.
Ich bin aber hart geblieben und nach einer Portion fettreduzierter Pommes (die Dänen sind ja so unfassbar gesundheitsbewußt) wieder in Richtung Heimat gedüst. Kurz vor Århus habe ich noch an einem beliebten Ausflugsziel am Strand ein Päuschen eingelegt und ein Eis gegessen. An dem kleinen Parkplatz war ein reges Treiben, alle wollten die schöne Spätnachmittagssonne genießen. So kam es, dass ich mit zwei anderen Bikern ins Gespräch kam. Ihren Rückenaufnähern zufolge gehörten sie zu einem MC namens „Kings and Queens Århus“, was mir sofort sympathisch war – und auch so typisch dänisch, denn Gleichstellung der Geschlechter ist hier eins der höchsten Güter. :-)
Sie entpuppten sich als sehr nett, eigentlich ganz brave Familienmenschen, die den Winter damit verbracht hatten, sich ein Club-Quartier auszubauen und einzurichten. Spontan luden sie mich auf eine Besichtigung und eine Tasse Kaffe im Clubhaus ein, und so flitzten wir bald darauf in ein Industriegebiet kurz vor den Toren der Stadt. So kam es, dass ich den Rest des Nachmittages mit nettem Geplauder, gutem Kaffee, Dart und Motorradfachgesimpel verbrachte und nun meine Liste der Leute, die ich hier außerhalb der Arbeit kenne, auf etwa 6 erweitern kann. Schön!
So, nun könnte ich noch von unserer Instituts-Oster/Frühlingsparty berichten, und wie ich vorgestern mit Tom Steitz, einem der diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger ein Bierchen aus der Flasche getrunken und nett geplaudert habe, aber das mache ich dann beim nächsten Mal.
Dem isländischen Vulkan sei Dank, bleibt er nämlich noch ein paar Tage länger bei uns zu Gast, so dass sich vielleicht noch mehr spannende Anekdoten zutragen werden. Ehrfurcht lass nach!
Wo war ich? Ach ja, Frühling, Motorrad fahren!
Ja, das habe ich auch gemacht, letzten Samstag. Um nicht ziellos in der Gegend herumzudüsen, bin ich zu einer Reptilienbörse in Hedensted gefahren, etwa 60 km südlich von Århus. Zu versuchen, „Hedensted“ auf Dänisch auszusprechen, ist übrigens eine echte Herausforderung, vor allem, wenn man dabei nicht ausgesprochen retardiert aussehen möchte. Das dänische „d“ entspricht einem Laut, der ungefähr auf halbem Wege zum englischen „th“ verhungert ist. Oder, mit anderen Worten: man versuche, ein „L“ zu sprechen, aber dabei die Zungenspitze nicht oben an den Gaumen zu bewegen, sondern unten im Mund zu lassen. Heraus kommt ein Laut, der etwa wie „hwll“ mit einem Mund voll Kartoffelchips klingt. Irgendwie neigt man dann auch noch dazu, den Unterkiefer etwas nach vorne zu schieben, was dann zu dem erwähnten dämlichen Gesichtsausdruck führt. Und das „e“ klingt für deutsche Ohren in diesem Zusammenhang eher wie ein „i“. Naja, lange Rede, kurzer Sinn, ich bin also Samstag nach „Hihwllinnstihwll“.
Das Wetter war traumhaft, vielleicht noch ein klein bisschen zu kalt, wegen des recht starken Windes, aber die Sonne war traumhaft.
Die Börse war nett, man kennt das ja: viele tätowierte Typen, Kinder die stolz mit abgestumpften Königspythen auf dem Arm herumlaufen…aber es gab auch ein paar echte Highlights. Beispielsweise bin ich ganz unerwartet auf einen Anbieter gestoßen, der Nachzuchten von Oreocryptophis porphyracea laticintus dabei hatte, eine wunderschöne kleine Bambusnatter, die mich doch sehr in Versuchung gebracht hat, da ich diese Art schon immer habe halten wollen.
Ich bin aber hart geblieben und nach einer Portion fettreduzierter Pommes (die Dänen sind ja so unfassbar gesundheitsbewußt) wieder in Richtung Heimat gedüst. Kurz vor Århus habe ich noch an einem beliebten Ausflugsziel am Strand ein Päuschen eingelegt und ein Eis gegessen. An dem kleinen Parkplatz war ein reges Treiben, alle wollten die schöne Spätnachmittagssonne genießen. So kam es, dass ich mit zwei anderen Bikern ins Gespräch kam. Ihren Rückenaufnähern zufolge gehörten sie zu einem MC namens „Kings and Queens Århus“, was mir sofort sympathisch war – und auch so typisch dänisch, denn Gleichstellung der Geschlechter ist hier eins der höchsten Güter. :-)
Sie entpuppten sich als sehr nett, eigentlich ganz brave Familienmenschen, die den Winter damit verbracht hatten, sich ein Club-Quartier auszubauen und einzurichten. Spontan luden sie mich auf eine Besichtigung und eine Tasse Kaffe im Clubhaus ein, und so flitzten wir bald darauf in ein Industriegebiet kurz vor den Toren der Stadt. So kam es, dass ich den Rest des Nachmittages mit nettem Geplauder, gutem Kaffee, Dart und Motorradfachgesimpel verbrachte und nun meine Liste der Leute, die ich hier außerhalb der Arbeit kenne, auf etwa 6 erweitern kann. Schön!
So, nun könnte ich noch von unserer Instituts-Oster/Frühlingsparty berichten, und wie ich vorgestern mit Tom Steitz, einem der diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger ein Bierchen aus der Flasche getrunken und nett geplaudert habe, aber das mache ich dann beim nächsten Mal.
Dem isländischen Vulkan sei Dank, bleibt er nämlich noch ein paar Tage länger bei uns zu Gast, so dass sich vielleicht noch mehr spannende Anekdoten zutragen werden. Ehrfurcht lass nach!
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