Freitag, 20. Juni 2008
Beweise...
Weils mir ja sonst doch keiner glaubt, hier nun der Beweis für die Fähnchengeschichte!

Schon in der ersten Woche gleich richtig eingenordet.

So feiert man bei Dänen! Was für ein Spass!

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Samstag, 7. Juni 2008
Gründlich EingeNORDet
So, die erste Arbeitswoche ist geschafft, wobei davon eigentlich zwei Tage schonmal nicht als Arbeitstage gezählt werden dürften. Am Mittwoch hatte das Insitut nämlich 40-jähriges Jubiläum und es gab ein Mini-Symposium mit anschließender Feier. Zunächst mutete dort auch alles wie bei einem ganz normalen Konferenz-Dinner an: schöner Saal, leckeres Essen und das übliche Unterhaltungsprogramm. Aber es sollte alles ganz anders kommen...dänisch eben.

Hier die Programmpunkte DIESER Feier:

1. Zur Vorspeise tritt ein Transvestit auf. Ich glaube, sie/er singt playback, aber man hört es durch den ganzen Essenslärm gar nicht. Irgendwie achtet auch kaum jemand darauf - was vielleicht auch ganz gut ist :-).

2. Ein wichtiger Mann stellt sich auf einen Tisch, sagt ein paar Worte (natürlich auf Dänisch), und fängt dann unvermittelt an zu singen. Die letzte Zeile jeder seiner Strophen wird einhellig von allen anwesenden im Saal echo-artig wiederholt. Ich verstehe natürlich die Lacher nicht, versuche aber, nicht allzu irritiert zu wirken.

3. Zum Hauptgang legt der Transvestit wieder eine Showeinlage ein. Mit Federboa und so. Ich frage mich im Stillen, was der Nobelpreisträger und Ehrengast Sir John Walker wohl gerade denkt.

4. Noch eine Rede (natürlich auch auf Dänisch). Lang. Sehr lang. Der Redner muss zwischendurch immer wieder kurz pausieren, weil ihm seine Stime abhanden kommt und seiner Kehle stattdessen seltsame Quietschlaute entweichen.

5. Ein Stand-Up Comedy Duo tritt auf. Noch mehr Dänisch. Ich beobachte meine dänischen Kollegen beim Lachen und langweile mich, zusammen mit den Kollegen aus Indien, Schweden, Frankreich und den USA...

6. Zettel werden ausgeteilt, jeder der etwa 250 Gäste bekommt einen. Eng bedruckt, Vor- und Rückseite: Dänisch. Das einzige Wort, das mir bekannt vorkommt, ist "Fallera". Mir schwant Böses. Kurz darauf singt der ganze Saal ein Loblied auf das "Molekulaerbiologisk Institut". Ich mache nur "Fallera" und freue mich, dass in das Lied extra Pausen zum Trinken eingebaut sind. Ich bereue, dass ich trotzdem noch zu nüchtern bin.

7. Dessert. Diesmal kein Auftritt.

8. Der Höhepunkt des Abends, wenn man von dem für noch später angekündigten Feuerwerk absieht: Es werden dänische Fähnchen verteilt, auf deren Rückseite....ja, Ihr ahnt es schon,... ein Liedtext (dänisch) aufgedruckt ist. Die Melodie dazu ist "Land of hope and Glory" aus Pomp and Circumstance (wem das nichts sagt, der klicke auf den nebenstehenden Link). Alle stehen auf, schwenken ihre Fähnchen und singen Ihre Hymne aufs Insitut, das Leben, das Bier und überhaupt. Ich lasse mich fotografieren, weil ich fürchte, dass mir das zu Hause niemand glauben wird.

9. Ich rechne mir aus, wieviel Bier ich noch trinken muss, um den nun folgenden Teil der Party schadlos zu überstehen, und beschließe, lieber nach Hause zu gehen, solange ich noch Chancen habe, den Weg zu finden.

Während ich meine Jacke anziehe bekomme ich noch mit, dass es diese Feier JEDES JAHR gibt, nicht etwa nur alle 10 Jahre.

Am nächsten Tag ist "Tag der Verfassung" und frei, was sich auch als sinnvoll erweist. Ich bin trotzdem im Institut und treffe ab mittag auf ein paar recht ausgezehrt aussehende Gestalten, die wohl noch länger gemacht haben....

Soviel also zu meiner ersten dänischen Woche. Dass es SO schnell mit Fähnchenschwenken losgeht, hatte ich nun doch nicht erwartet.
Aber man lernt die Kollegen nach ein paar Bier gleich besser kennen und hat auch gleich was zu lachen:
Wenn nämlich der Schwede plötzlich den Franzosen völlig verstört ansieht, als dieser mich fragt: "Do you already have a mail?", und ich darauf antworte: "Yes, it's called 'MBU'"weil er "Do you already have a male?" verstanden hat...

Fazit der Woche: Ich glaube, ich kann es hier eine Weile aushalten. ;-)

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Dienstag, 3. Juni 2008
Ehrfurcht lass nach
Aus gegebenem Anlass muss ich heute noch einen zweiten Beitrag schreiben - alle Nicht-Wissenschaftler können diese Zeilen getrost überspringen, aber allen anderen muss ich berichten: Soeben habe ich meinen ersten Nobelpreisträger live und in Farbe gesehen! Und das ganz ohne Lindau-Meeting...:-)
Sir John E. Walker, der die Struktur der ATP-Synthase gelöst hat, hat heute die Gruppe besucht. Aus naheliegenden Gründen hab ich nur stumm zugehört, als einer der Doktoranden (der übrigens bereits Erstautor eines Nature-Papers ist...) ihm seine Ergebnisse vorgestellt hat.
Ein Blick ins Instituts-Vortragsprogramm sagte mir anschließend, dass es hier offenbar öfter mal solch hochkarätige Gäste gibt: nächstens kommt einer der Forscher aus New York, die das Influenza-Virus von 1918 rekonstituiert haben und die Mechanismen seiner Spezifität herausgefunden haben, und zwei Wochen später ist Thomas Czech da, auch Nobelpreisträger, nämlich einer der Entdecker der enzymatischen Aktivität von RNA.

Wow....

Beeindruckte Grüße!

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Ein Labor ist ein Labor ist ein Labor
Gestern war ja nun Montag und mein erster Arbeitstag. Und schon nach wenigen Stunden unter den neuen Kollegen kann ich verzeichnen, dass einige Dinge überall gleich sind. So hat beispielsweise mein Einstandskuchen, der in dem Mini-Ofen meiner neuen Wohnung gründlich missraten ist, trotzdem regen Absatz gefunden und war innerhalb kürzester Zeit verputzt. Außerdem bin ich – ohne wirklich zu wissen, wie mir geschah – mal wieder Teil eines Staffellauf-Teams geworden. Drittens wurde beim Group-Meeting die allgemeine Sauberkeit und Ordnung im Labor angemahnt. Und zu guter Letzt wurde mir vom Chef aufgetragen, doch mal eben an irgend einen mir völlig unbekannten Menschen in Kopenhagen eine Email zu schreiben und mich nach Projektdaten zu erkundigen. Na, wem von den Doktoranden unter den Lesern kommt das alles nicht bekannt vor?

Aber es gibt auch Dinge, über die ich mich wirklich „beömmeln“ kann: wenn zum Beispiel am Straßenrand ein dicker Pumpwagen steht, der in dicken Lettern und mit vollem Ernst die Aufschrift „KLOAK-Service“ trägt, oder man einen Hamburger mit „Ekstra“ Käse bestellen kann.
Dänisch ist schon eine coole Sprache, und ich muss wirklich feststellen, dass ich durchweg auf große Begeisterung stoße, sobald ich einen – meist noch recht kläglichen – Versuch starte, meine drei Worte Dänisch an den Mann oder die Frau zu bringen.
Aber das wird schon noch. Gestern mittag hatte ich ein triumphales Erlebnis, denn ich habe die Frau an der Kantinenkasse verstanden, die zweiunddreißig Kronen von mir haben wollte, was soviel heißt wie „toogtredive kroner“ und in etwa ausgesprochen wird wie „tohortrallwekronah“, und das mit einer heißen Kartoffel im Mund. Sowas macht doch Mut!

Und obwohl ich den Luxus genieße, ARD, ZDF und sogar (!!!) NDR Fernsehen (was für eine Bereicherung) zu Hause empfangen zu können, gefällt es mit jetzt schon, auf den dänischen Kanälen die Spielfilme im Originalton zu sehen. Also, Englisch meine ich jetzt. ;-)

Nun denn, das soll es erst einmal wieder gewesen sein, weitere Eindrücke werden folgen.

Viele liebe Grüße!

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