Raum-Zeit-Kontinuum
Herrjeh, die Zeit rennt - wo ist denn nur der Sommer schon wieder geblieben?
Gerade hat man noch den Sonnenbrand auskuriert, und - schwupps - ist es auf einmal schon Anfang Dezember und draussen tobt ein Sturm, dass einem ganz mulmig wird!
Wenn ich recht überlege, hatt ich Anfang diese Jahres eigentlich vorgehabt, mein Reisepensum ein wenig herunter zu schrauben... nun ja... ich muss zugeben, ich bin fulminant gescheitert.
Ein Weilchen war ich zwar nach der Hawaii-Tour auch mal wieder zu Hause, aber schon im September ging der nächste Trip los, und das war nun wirklich ein Globus-hopping sondergleichen: 6 Ziele und 4 Konferenzen in 3 Wochen.
Unter anderem hatte ich das Glück, dass eine der Konferenzen in Maine statt fand, einer der schönsten Gegenden der USA, vor allem im Herbst, wenn sich die Wälder in die schönsten Farbenteppiche verwandeln.
Einen halben Tag Freizeit nutzte ich dort – gerade noch rechtzeitig vor dem ‘shutdown’ – um den Acadia National Park zu erkunden: eine wunderschöne Mischung aus einer zerfransten Küstenlinie, bunten Mischwäldern und schuppigen Granitfelsen, zwischen denen sich am frühen Morgen (es lebe der Jetlag) noch einige müde Nebenschwaden verirrt hatten.
Mein Mietwagen, Economy-Klasse, fiel mit einem Dodge ‘Charger’ dann doch eine Nummer grösser aus, als ich erwartet hatte, und so konnte ich es auch nicht lassen, ein wenig mit dem Ellenbogen auf der Fensterkante über den Highway zu cruisen. Geiles Gefühl!
Über den Rest der Konferenz gibt es nicht mehr allzu viel Spannendes zu berichten, ausser, dass ich noch während meines Aufenthaltes in Maine erfuhr, dass meine Rückreise mich nicht nach Kopenhagen führen würde, sondern nach London, wo ich zwischenzeitlich noch zu einem Vortrag bei der Royal Society rekrutiert worden war. Naja, dachte ich mir, auch gut. London ist ja schliesslich immer schön.
Zwischendurch musste ich allerdings nochmal kurz für 3 Tage nach Kopenhagen, und irgendwie muss ich mittendrin mal den Überblick verloren haben. Denn als ich bei der Passkontrolle am Flughafen in London stand, und mich der Beamte so beiläufig fragte, wo ich den gerade her käme, stand ich so dermassen auf der Leitung, dass ich ihn sekundenlang anstarrte, während ich in meinem Gehirn nach der Erinnerung kramte, wo ich eigentlich an diesem Morgen um 4 Uhr in der Frühe aufgebrochen war… Er schaute mich halb skeptisch, halb amüsiert an, während ich nachdachte, und irgendwann kam ich dann auch endlich drauf, und damit auch rein ins UK.
Etwas ehrfürchtig war ich dann allerdings doch, als ich schon auf dem Weg zum Namensschildchen abholen bei der Royal Society an Faraday, Banks und Maskelyne vorbei kam – alle in Öl auf Leinwand, versteht sich, aber trotzdem irgendwie recht gewichtig; und das meine ich nicht nur auf’s Körperliche bezogen! ;-)
Als ich dann mit Vorsingen dran war, versuchte ich einfach nicht daran zu denken, wie hier, bei der gleichen Akademie, vor rund 240 Jahren der grosse James Cook von seinen Entdeckungen in Pazifik…
Wie auch immer, ich überlebte meine halbe Stunde im reflektierten Glanz der alten Meister halbwegs unbeschadet und hätte danach zur Belohnung am liebsten im Pub um die Ecke ein ordentliches Pint getrunken. Leider stand aber stattdessen ein etwas steifes, und sehr britisches, Dinner an, bei dem ich zu etwa 98% ehrlich nicht die leiseste Ahnung hatte, wovon meine Tischnachbarn gerade am reden waren. Eine gute Gelegenheit also, meine Technik im ‘Ich-hab-leider-gerade-den-Mund-voll-kann-also-nichts-sagen-aber-nicke-einfrig’ zur Vollendung zu verfeinern. Welch ein Spass!
Tja, und wie heisst es so schön: “Time flies when you’re having fun”, womit wir wieder beim Thema wären.

Morgen geh ich Adventskranz kaufen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit!

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