Bike(Un-)Fit
Wie jedes Jahr um diese Zeit will ich mein Leben umkrempeln - gesünder essen, mehr Sport treiben, früher ins Bett gehen...die üblichen Vorsätze, die ich doch meist nie länger als 1-2 Wochen aufrecht erhalten kann.
Eigentlich war ich diesmal sogar ganz gut bei der Sache: ich habe zwei Wochen lang jeden morgen brav gefrühstückt, war ein paar Mal Laufen und hab zuhause die Hanteln geschwungen und meinen aktuellen Rekord von 1 auf 4 Liegestütze gesteigert. :-)
Doch dann musste ich für eine Woche nach Kopenhagen und mein schöner neuer Rhythmus war schon wieder dahin. Damit das nicht wieder passiert, habe ich mich nun doch mal wieder in einem Fitness-Center angemeldet, denn die haben Muckibuden in jeder größeren Stadt, so dass ich keine Ausreden mehr habe, wenn ich unterwegs bin.
Mein lokales Center liegt etwa 500 m von meiner Haustür entfernt - also ist nicht mal schlechtes Wetter eine wirkliche Ausrede. Nachdem ich mich bei einem ersten Training orientiert hatte, hatte ich nun heute mal eine Bike-Fit Stunde gebucht. Ich hatte das zwar früher regelmässig gemacht, aber da das schon Jahre her ist, habe ich mich für eine Stunde mit dem Prädikat "Fatburner" entschieden, weil - meinem bescheidenen trainingstheoretischen Verständnis nach - das auf relativ niedriges Intensitätsniveau hindeutete.
Geklickt, getan, ich gehe hin, setz mich aufs Rad und pedaliere gemütlich vor mich hin, wir sind etwa 15 Leute. Der Raum ist super, im 4. Stock mit Blick über die Stadt. Einziges Problem: der Trainer har verschlafen und taucht erst 20 Minuten zu spät auf. Naja, denke ich, vielleicht nicht so schlecht, habe ich eine längere Aufwärmphase gehabt.
Die Stunde geht also los und ich denke noch so, okay, Maike, Du gehst das jetzt mal ganz gemütlich an, schließlich liegt deine letzte Spinningstunde mindestens 3 Jahre, 20 Tüten Erdnussflips und wer weiß wie viele Stunden zelebrierten Couch-potato-tums zurück.
Aber ich fühle mich gut, hatte zwar nur einen Yoghurt zum Frühstück, aber spätestens als die Lautsprecher anfangen, The Rasmus, Foo Fighters und Rammstein auszuspucken, bin ich voll dabei und versuche, den Anweisungen des Trainers zu folgen, auch wenn ich nur ungefähr 10 % von dem was er in die Musik rein brüllt, verstehe.
So weit so gut, es macht Spass, aber schon nach 10 Minuten habe ich das Gefühl, dass mein Puls sich eher in der roten Warnzone befindet, als im gemütlichen Fettverbrennungsbereich. Ergo nehme ich Widerstand raus und versuche, die Intensität zu verringern, was aber gar nicht so einfach ist, weil der Trainer gerade lautstark Sprintsequenzen fordert.
Weitere 10 Minuten später passiert dann das, was ich zwar eigentlich schon hätte erwarten sollten, was mich aber dennoch kalt erwischte: die viel zu lange und zu hohe Pulsfrequenz auf mein relativ untrainiertes Herz-Kreislauf-System und die stehende Luft, die ich noch nie gut vertragen habe, sorgen dafür, dass ich innerhalb von 10 Sekunden vom "alles-ist-gut" in den "scheisse-mir-wird-schwarz-vor-augen" Modus lande. Ich kenne das wie gesagt schon, leider ist es meist zu spät, wenn ich es bemerke.
Ich nehme sofort den Widerstand aus dem Rad, setze mich aufrecht hin, Arme über dem Kopf und versuche, tief und gleichmäßig zu atmen, während die anderen gerade ihre zehnte Sprintsequenz abreißen.
"Nur nicht vom Rad kippen oder mich übergeben", denke ich, ist schon peinlich genug, so offensichtlich aus der Reihe zu tanzen. Der Trainer hat mein Verhalten bemerkt, er kommt und fragt, ob alles okay sei. Ich weiß nicht genau, was Kreislauf auf Dänisch heißt, also sage ich nur "mir geht's gerade nicht so gut". Seine Antwort verstehe ich nicht, bin zu beschäftigt, nicht ohnmächtig zu werden.
Einige Minuten später ist mir immer noch komisch und ich beschließe, nun doch lieber abzusteigen, als als Dramaqueen vom Rad zu kippen. Also setze ich mich auf den Boden neben das Rad, lege die Füße hoch und versuche dabei so auszusehen als würde ich das immer so machen. Innerhalb von Sekunden wird es besser, ich hab wieder Blut im Kopf, der Schwindel verschwindet, meine Knie hören auf zu zittern und ich hab keine Gänsehaut mehr.
Peinlich ist es natürlich immernoch, und das, obwohl meine Schwelle da sonst eigentlich relativ hoch liegt.
Egal, nach 5 Minuten als Marienkäfer setze ich mich wieder aufs Rad und pedaliere noch locker aus, bis die Stunde zu ende ist. Der Trainer kommt nochmal zu mir und fragt, ob ich ok sei, und ich versuche so beiläufig wie es nur geht zu sagen, dass ich eben manchmal Probleme mit der stehenden Luft habe.
In der Umkleide versuche ich keiner von den anderen Teilnehmerinnen irgendwie zu begegnen, was natürlich nicht funktioniert, aber zum Glück sind die Dänen ja nicht so kontaktfreudig, dass sie einen einfach so anquatschen würden.
Tja, peinlich war's schon, aber was soll’s. Ich war da, und meine Gummibeine eben im Treppenhaus bezeugen, dass ich auch was gearbeitet habe, bevor mein Kreislauf sich entschlossen hat, flöten zu gehen. Da hilft wohl nur eins - gleich zur nächsten Stunde anmelden und positiv denken: wenigstens hab ich nicht gekotzt!

In diesem Sinne, bleibt sportlich,
liebe Grüße,
Eure Maike

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