Wasserball für Anfänger
Machen wir uns nichts vor, liebe Freunde, wir werden alle nicht jünger und keinem fällt dieses Faktum besonders gerne auf.
Und da ich seit einiger Zeit mit meinem Rücken zu tun habe, und ausserdem noch ein altes Versprechen gegenüber einem lieben Kollegen einzulösen hatte ("Wenn Du dann mal hier Deine Doktorarbeit anfängst, dann...."), bin ich also gestern abend zu meinem ersten Wasserballtraining seit mindestens 8 oder 10 Jahren gegangen.
War schon eine lustige Erfahrung. Wir treffen uns kurz vor Trainingsbeginn an der Schwimmhalle und brauchen erst mal ein Weilchen, um den richtigen Ansprechpartner zu finden. Als wir schliesslich mit schicken blauen Gummi-Schuhüberziehern vor dem Trainer stehen und ihm zu verstehen geben, dass wir gerne ein Probetraining mitmachen würden, sagt er nur: "Ok." Dann mustert er uns noch kurz und fragt: "Have you tried to play it before?". Mein Kollege sagt nein, ich murmle etwas von "Ja, vor etwa hundert Jahren...". "Ok.", sagt er.
Dann ziehen wir uns um und ab auf die Anfängerbahn... Der Trainer hat nicht einmal nach unseren Namen gefragt, so mit der Zeit finden wir selbst heraus, dass die Leute auf der Nachbarbahn wohl auch noch dazu gehören. Dass es alles Jungs sind, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Später kommt aber sogar noch ein Mädel dazu. Beachten tut uns eigentlich keiner, und der Trainer ist eh die meiste Zeit mit seinem Handy beschäftigt.
Nun ist Wasserball ja nicht gerade bekannt dafür, ein leichter und gemütlicher Sport zu sein. Schlimm wird es allerdings erst dadurch, dass man früher schon einmal auf ein gewisses Konditionslevel gekommen war und nun quasi wieder bei Null anfangen muss.
Wo man früher mal locker mit 400 m Lagen zum gemütlichen Einschwimmen angefangen hat, stellt man heute fest, dass man schon nach 100 m Kraul irgendwie kaum noch Luft kriegt. Die Bälle wollen auch einfach nicht mehr so an der Handfläche kleben bleiben wie früher, und allein das Tor überhaupt zu treffen ist erstaunlich schwierig. Ich lasse erstmal nicht durchblicken, dass ich Dänisch kann. Kann ja sehr aufschlussreich sein, wenn die anderen davon ausgehen, dass man sie eh nicht versteht. :-) Leider bin ich während des Spieltrainings allerdings so sehr damit beschäftigt, überhaupt mit meiner Nasenspitze über der Wasseroberfläche zu bleiben, dass ich kaum irgendetwas höre, geschweige denn verstehe.
Gegen Ende des Trainings klappen dann aber sogar noch ein paar Dinge: ich erinnere mich wieder dunkel daran, wie man das Tor trifft und auch ein paar meiner Passversuche landen artig in der Hand des Empfängers. Einmal schaut sogar der Trainer von seinem Handy auf und sagt sowas wie "Good".
Mein Kollege, für den dies das allererste Wasserballtraining - ever - war, schlägt sich trotz Kontaktlinsen-Kampf auch sehr tapfer und gibt, wie sich herausstellt, sogar einen ganz brauchbaren Goalie ab.
Fazit des Abends: wir haben uns wacker geschlagen, keine Totalblamage abgeliefert und hatten sogar ein bisschen Spass.
Als ich dann heute morgen aufwache und versuche, aus dem Bett zu kommen, habe ich noch einen grossen, sehr tiefgehenden, alles umfassenden Gedanken zu diesem Thema. Er heisst: "Au......".

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