Synchrotron-Geschichten
Samstag, 18. Februar 2012
Die ersten Februarwochen waren für mich mit viel Herumreiserei verbunden. So bin ich beispielsweise innerhalb von 10 Tagen 3 mal mit der Bahn von Aarhus nach Kopenhagen und zurück gefahren (je Strecke ca. 3.5 Stunden).
Ausserdem war ich an zwei aufeinanderforlgenden Wochenenden am Synchrotron. Was sich dahinter verbirgt, ist einem Aussenstehenden recht schwierig zu erklären.
Ein Synchrotron-Trip ist meist eine dreitägige Angelegenheit, die aus Anreise (Tag 1), 16 bis 24 Stunden intensiver Arbeit (Tag 2 incl. Nacht bis Tag 3), und Heimreise (Tag 3) besteht. Der Reiz besteht darin, dass man im Idealfall mit guten Messdaten nach Hause fährt, als Preis für meist lange harte Arbeit im Labor. Am Synchrotron entscheidet sich, ob die Struktur, an der man gerade arbeitet, gelöst werden kann, oder nicht. Es ist der Ort, an dem es Regale voll mit Champagnerflaschen gibt, als Dankeschön von glücklichen Wissenschaftlern, die hier die Daten für Ruhm und Ehre gesammelt haben.
Der Schrecken wiederum besteht erstens darin, dass man innerhalb der 16 oder 24 Stunden Messzeit selten eine Ruhepause hat, zweitens, dass man auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen ist, dass die Technik die ganze Zeit über fehlerfrei funktioniert, und drittens, dass man selbst seine Sinne soweit zusammen haben sollte, dass man nicht anfängt, unsinnige Daten zu sammeln, oder die falschen Knöpfe zu drücken...auch nicht um 3 Uhr in der Frühe.
Bei den meisten Synchrotrons gibt es nämlich so eine Notfallfunktion, wo sich der gesamte Ring abschaltet, wenn man zum Beispiel die Tür zum Messraum öffnet, bevor die Strahlungssperre aktiviert wurde. Haua ha, da möchte man wirklich nicht derjenige sein, der das mal ausprobiert....
Typischerweise stürzt aber nachts um halb 4 irgendeine Software ab, die man nicht wieder in Gang bekommt, oder es gibt einen sogenannten ‚beam-dump‘ – einen spontanen Energieverlust im Ring, womit dann auch der Röntgenstrahl futsch ist.
Die Probleme gehen auch immer gerne mit der sogenannten Injektion einher, einer in regelmässigen Abständen durchgeführten Neueinspeisung von Elektronen in den Ring. (Irgendwie stelle ich mir dabei immer das Bild eines völlig durchgeknallten Physikers im weissen Kittel vor, der mit einer gigantomanischen Spritze eine Ladung Elektronen in den Ring jagt...:-))
Naja, ein wenig durchgeknallt sind wohl eigentlich alle, die in solch einer Anlage herumlaufen. Oder ich sollte wohl besser sagen „UM solch eine Anlage herumlaufen“, denn allen Synchrotrons gemein ist die logische Tatsache, dass man sich immer nur auf einer runden „Aussenbahn“ durch die Halle bewegen kann. (Irgendwie sind die Klos auch immer grundsätzlich genau gegenüber, so dass man um den halben Ring herum latschen muss....)
Letztens stand ich auf meinem Rundwanderweg zur Toilette – es war so gegen halb 10 abends – plötzlich vor einer Pappwand. Als ich vorsichtig um die Kante herum lugte, sah ich dahinter eine aufgebaute Tischtennisplatte und zwei Männer, die sich in semiprofessionellem Trikot-Outfit ein Match lieferten. Hinter der Platte stand eine zweite Pappwand, so dass der Ball nicht zwischen oder unter irgendwelche der Apparaturen kullern konnte. Sie grüssten freundlich, warteten kurz, bis ich vorbeigelaufen war und setzten dann ihr Spiel fort. Hm....schon irgendwie eine schräge Idee, in einer Synchrotronhalle sein Tischtennistraining zu absolvieren...andereseits kommt man ja als engagierter Wissenschaftler neben der Arbeit sowieso zu nichts, warum also nicht das Trainingsgerät an den Arbeitsplatz verlegen, anstatt sich ständig abzuhetzen, um zum Training zu kommen?
Beim letzten Trip sass an der benachbarten Messstation ein indischer Kollege, der sich mit blecherner indischer Volksmusik in beachtlicher Lautstärke wachzuhalten versuchte...also dann doch lieber Ping-Pong-Sound, wenn ihr mich fragt....
Ausserdem war ich an zwei aufeinanderforlgenden Wochenenden am Synchrotron. Was sich dahinter verbirgt, ist einem Aussenstehenden recht schwierig zu erklären.
Ein Synchrotron-Trip ist meist eine dreitägige Angelegenheit, die aus Anreise (Tag 1), 16 bis 24 Stunden intensiver Arbeit (Tag 2 incl. Nacht bis Tag 3), und Heimreise (Tag 3) besteht. Der Reiz besteht darin, dass man im Idealfall mit guten Messdaten nach Hause fährt, als Preis für meist lange harte Arbeit im Labor. Am Synchrotron entscheidet sich, ob die Struktur, an der man gerade arbeitet, gelöst werden kann, oder nicht. Es ist der Ort, an dem es Regale voll mit Champagnerflaschen gibt, als Dankeschön von glücklichen Wissenschaftlern, die hier die Daten für Ruhm und Ehre gesammelt haben.
Der Schrecken wiederum besteht erstens darin, dass man innerhalb der 16 oder 24 Stunden Messzeit selten eine Ruhepause hat, zweitens, dass man auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen ist, dass die Technik die ganze Zeit über fehlerfrei funktioniert, und drittens, dass man selbst seine Sinne soweit zusammen haben sollte, dass man nicht anfängt, unsinnige Daten zu sammeln, oder die falschen Knöpfe zu drücken...auch nicht um 3 Uhr in der Frühe.
Bei den meisten Synchrotrons gibt es nämlich so eine Notfallfunktion, wo sich der gesamte Ring abschaltet, wenn man zum Beispiel die Tür zum Messraum öffnet, bevor die Strahlungssperre aktiviert wurde. Haua ha, da möchte man wirklich nicht derjenige sein, der das mal ausprobiert....
Typischerweise stürzt aber nachts um halb 4 irgendeine Software ab, die man nicht wieder in Gang bekommt, oder es gibt einen sogenannten ‚beam-dump‘ – einen spontanen Energieverlust im Ring, womit dann auch der Röntgenstrahl futsch ist.
Die Probleme gehen auch immer gerne mit der sogenannten Injektion einher, einer in regelmässigen Abständen durchgeführten Neueinspeisung von Elektronen in den Ring. (Irgendwie stelle ich mir dabei immer das Bild eines völlig durchgeknallten Physikers im weissen Kittel vor, der mit einer gigantomanischen Spritze eine Ladung Elektronen in den Ring jagt...:-))
Naja, ein wenig durchgeknallt sind wohl eigentlich alle, die in solch einer Anlage herumlaufen. Oder ich sollte wohl besser sagen „UM solch eine Anlage herumlaufen“, denn allen Synchrotrons gemein ist die logische Tatsache, dass man sich immer nur auf einer runden „Aussenbahn“ durch die Halle bewegen kann. (Irgendwie sind die Klos auch immer grundsätzlich genau gegenüber, so dass man um den halben Ring herum latschen muss....)
Letztens stand ich auf meinem Rundwanderweg zur Toilette – es war so gegen halb 10 abends – plötzlich vor einer Pappwand. Als ich vorsichtig um die Kante herum lugte, sah ich dahinter eine aufgebaute Tischtennisplatte und zwei Männer, die sich in semiprofessionellem Trikot-Outfit ein Match lieferten. Hinter der Platte stand eine zweite Pappwand, so dass der Ball nicht zwischen oder unter irgendwelche der Apparaturen kullern konnte. Sie grüssten freundlich, warteten kurz, bis ich vorbeigelaufen war und setzten dann ihr Spiel fort. Hm....schon irgendwie eine schräge Idee, in einer Synchrotronhalle sein Tischtennistraining zu absolvieren...andereseits kommt man ja als engagierter Wissenschaftler neben der Arbeit sowieso zu nichts, warum also nicht das Trainingsgerät an den Arbeitsplatz verlegen, anstatt sich ständig abzuhetzen, um zum Training zu kommen?
Beim letzten Trip sass an der benachbarten Messstation ein indischer Kollege, der sich mit blecherner indischer Volksmusik in beachtlicher Lautstärke wachzuhalten versuchte...also dann doch lieber Ping-Pong-Sound, wenn ihr mich fragt....
