Das Jahr geht zuende...
... und ganz Nordeuropa versinkt im Schnee. Seltsamerweise stört mich das in diesem Jahr überhaupt nicht, vermutlich weil ich nicht aufs Autofahren angewiesen bin und in angenehmer Marschdistanz zu meinem Arbeitsplatz wohne. Daher bescherte mir der früh einkehrende Winter dieses Jahr einen ganz angenehmen täglichen Morgen- und Abendspaziergang.
Beeindruckt bin ich ja von den dänischen Radfahrkünstlern, die dem teils knietiefen Schnee zum Trotz eisern mit ihren Drahteseln durch Århus sausen. Während ich nach der ersten heftigen Schneesalve im November aus Sorge um mein geliebtes sommerbereiftes Fahrrad und nicht zuletzt um meine eigenen Knochen auf die Fortbewegung per pedes umgestiegen bin, fahren nach wie vor viele Århusianer täglich unbehelligt durch die schmierseifigen Straßen und Radwege. Und unter den Akrobaten finden sich alle Altersgruppen, vom Schulkind über den Studenten bis zum tütenbeladenen Rentner auf dem Heimweg vom Einkaufsladen. Erstaunlicherweise wurde ich auch noch kaum eines Sturzes Zeuge. Letzten Winter sah ich ein einziges Mal, wie eine gar zu forsche Radlerin in der Fußgängerzone unsanft mit dem spiegelglatten Kopfsteinpflaster Bekanntschaft machte, aber ansonsten scheinen die Dänen wirklich mühelos durch den glitschig-eisigen Matsch zu radeln – bewundernswert und mutig, wie ich finde. Möglichwerweise hat es ja auch damit zu tun, dass der Radfahrer hier, im Gegensatz zu macher deutschen Stadt, als vollwertiger Verkehrsteilnehmer respektiert wird. Die Hauptradwege werden sogar richtig von der Straßenmeisterei geräumt. In zweieinhalb Jahren Århus hat mir noch kein einziges Mal ein Auto die Vorfahrt genommen. In Braunschweig dagegen ist das ja eher eine Sache von Minuten, bis man sich auf dem Radweg mit der ersten halsbrecherischen Ausweichaktion vor Kollisionen mit Kotflügel, Kinderwagen oder Kamikaze-Rentnern retten muss.
An einigen Stellen in der Århuser Innenstadt sind automatische Zähler aufgestellt, die die vorbeifahrenden Radfahrer per Lichtschranke täglich aufaddieren. Eine nette Idee, und vor allem ziemlich beeindruckend. Trotz des Winterwetters kommen an den Hauptdurchgangswegen noch über 1000 Radler täglich vorbei, im Sommer zeigt das Display oft über 4000 „Cyklister“ an.
Ich für meinen Teil bleibe dieser verschneiten Tage allerdings doch lieber mit den Füßen auf dem Boden, denn obwohl ich mich als recht geschickte Radfahrerin bezeichnen würde, kann ich mit den dänischen Velo-Virtuosen nicht mithalten.
In diesem Sinne, Hals- und Beinbruch, und kommt alle sturzfrei ins neue Jahr!

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