Niemand ist perfekt...
... so hat auch das sonst liebenswerte Dänemark ein paar "Macken", die manchmal schon ein wenig anstrengend sein können.
Und da es gerade mal wieder seit 2 Tagen durchgehend in Strömen regnet und meine Stimmung entsprechend ist, werde ich nun auch mal einen Beitrag über diese nicht so schönen Nebenwirkungen des Lebens unter Dänen verfassen.

Woran man sich wirklich gewöhnen muss - und ich glaube, ich habe es immer noch nicht getan - ist die Tatsache, dass man sich hier gegenseitig einfach keinen Platz macht. Wenn einem also drei Leute nebeneinander auf dem Fussweg entgegen kommen, einen schon von weitem sehen können, macht trotzdem niemand einen Schritt zur Seite. Oder wenn sich zwei auf dem Flur unterhalten und die ganze Breite ausschöpfen. Man kann also entweder selbst ausweichen oder ständig anecken. Auf die Frage an einen Dänen nach diesem Verhalten, bekam ich die Antwort: "Naja, es kommt halt darauf an, WER da vorbei möchte. Für eine hübsche Frau würde ich schon Platz machen, aber sonst..." Das geschieht also tatsächlich bewusst, und man will damit sein Selbstbewusstsein demonstrieren. Als unhöflich wird das aber nicht empfundfen. Sehr seltsam, wenn man mich fragt...

Ein anderes Phänomen, was schon mehrfach zu leichter Mißstimmung geführt hat, ist die Art und Weise, wie hier ein Gespräch angefangen wird. Ein Beispiel: man kommt in eine gut besuchte Bar und möchte am Tresen etwas bestellen. Meine Standardvorgehensweise: ich stelle mich an die Theke und versuche, Augenkontakt mit dem Barkeeper herzustellen. Sieht er mich, ziehe ich die Augenbrauen hoch und signalisiere damit, dass ich etwas bestellen möchte. Das registriert er wiederum und wendet sich mir bei der nächstbesten Gelegenheit zu. In Dänemark: keine Chance. Man wird zwar sehr wohl wahrgenommen, und manchmal besteht auch Blickkontakt, aber der Barkeeper reagiert trotzdem nicht, so dass man sich nach einiger Zeit bewußt ignoriert fühlt. Ähnlich verhält es sich, wenn man mit jemandem sprechen möchte, der sich gerade mit einem Dritten unterhält. Wenn man nach der mir geläufigen Höflichkeit etwas beiseite steht und wartet, bis der andere reagiert, anstatt in das Gespräch hineinzuplatzen, kann man warten, bis man schwarz wird. Im Gegenteil, es wird sogar als unhöflich und verwirrend empfunden, in solchen Situationen zu lange untätig heruzustehen. Kurzum, man muss immer direkt damit losplatzen, was man möchte, egal, was der Barkeeper oder der gewünschte Gesprächspartner gerade macht. Damit hab ich noch so meine Probleme, nicht nur, weil es mir so extrem unhöflich erscheint, sondern auch, weil ich so schnell angesäuert bin, wenn jemand ganz klar registriert hat, dass ich etwas möchte, mich aber trotzdem ignoriert.

Auch, dass sie sich kein bißchen bemühen, etwas langsamer und deutlicher zu sprechen, obwohl ganz deutlich ist, dass ich mit dem Dialekt oder der Geschwindigkeit Schwierigkeiten habe, ärgert mich manchmal schon ein wenig.

Und dann ist da noch diese unsichtbare Mauer aus Fremdheit, die es sehr schwierig macht, in diese Gesellschaft wirklich hineinzukommen. Alle sind zwar nett und freundlich, aber trotzdem bleibt man immer draußen vor der Tür, man merkt immer, dass man eben doch keiner von "Dänen" ist. Zum Glück gibt es ja hier reichlich andere Fremde, mit denen man sich stattdessen zusammentun kann, und die logischerweise diese Barriere nicht haben.

Neulich wurde ich allerdings zum allerersten mal zu einem dänischen Pärchen nach Hause eingeladen. Vielleicht besteht also tatsächlich doch noch Hoffnung.... :-)

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