Donnerstag, 20. Februar 2014
Tour de Muckibude
Hallo meine lieben Freunde!

Nun ist das neue Jahr schon wieder gut zwei Monate alt, und ich bin voll auf dem “Activity” Trip. Anstatt ständig nur im Stillen daran zu denken, wie viel fitter ich vor 10 Jahren noch war, habe ich eine Offensive gestartet. Zugegeben, das versuche ich nicht zum ersten Mal, aber diesmal gehe ich es wissenschaftlicher an: alles wird im Logbuch festgehalten! Nein, keine App, die alles gleich mit meinem Facebook-Profil verlinkt. Ganz simpel und old-school: eine Exceltabelle. Das ist erstaunlich informativ und motiviert ungemein!
So weiss ich jetzt zum Beispiel, dass ich in 20 Tagen 110 Liegestütze gemacht habe, und wieviel Zeit ich so im Durchschnitt am Tag vor der Glotze sitze.
Um meine bisher eher passive Mitgliedschaft im Fitnessstudio mal besser auszunutzen, habe ich mich in den letzten Wochen auch mal munter durch die verschiedensten Trainingsangebote durchprobiert. Wirklich interessant, muss ich schon sagen, die ich zuvor um solche Kurse nach dem Motto „Beinchen-heben in Grüppchen und sich dabei von irgendwelchen durchgestylten Hampelmännern/-frauen anschreien lassen“ einen riesigen Bogen gemacht habe. Mit Ausnahme von Spinning – also Indoor-Rennradfahren - das habe ich auch schon früher gemocht, aber dazu später mehr.
Als erstes, und um es langsam anzugehen, bin ich mal zum „Flow Yoga“. Was soll ich sagen.... nach 55 Minuten war ich ziemlich durchgefroren, weil wir ein Drittel der Stunde damit verbrachten, regungslos da zu sitzen oder zu liegen, und „Ooommmmm-shanti-shanti“ zu sagen, oder in irgendwelchen Chakra-Bahnen um unseren Körper herum zu atmen. Also echt... nix für mich, die bei jeglicher Form von Esotherik sofort Pickel kriegt. Was ich von früheren Besuchen im Yoga-Studio bisher kannte, war alles andere als zum Frieren gewesen, im Gegenteil, eine ziemlich herausforderde Mischung aus Dehn- und Halteübungen, die mir einst den Muskelkater des Jahrhunderts bescherten (da hab ich sogar auch das „Oooommm“ am Ende notgedrungen hingenommen). Aber das hier? Ging ja gar nicht! Ich hab es dann nochmal bei einer anderen Trainerin probiert, das war deutlich besser, viel anstrengender und zum Glück auch nix mit „Omm“. Das mache ich vielleicht nochmal wieder, wenn ich für alles andere wirklich gar keine Energie übrig habe. Dennoch tue ich mich etwas schwer damit, zu einem „Workout“ zu gehen, wo Leute mit Schal, Wollponcho und Leinenhose auftauchen und man nebenbei noch ungefragt irgendwelche Lebensweisheiten mit auf den Weg bekommt...
Als nächstes probierte ich ein 25-minütiges ‚Bauch & Rücken’-Programm aus, was in der Tat ganz nett war, allerdings auch nicht wirklich was anderes war als das, was ich sowieso selbst auch im Übungsprogramm hatte.
Spinning – ja, das ist allerdings immer lustig! Instrukteur 1 hatte einfach nur einen furchtbaren (bzw. gar keinen) Musikgeschmack, und verbrachte die meiste Zeit damit, zu seinen Techno-Beats neue Rekorde in Sachen Trittfrequenz aufzustellen. Ehrlich – sowas habe ich noch nicht gesehen, der könnte es in Sachen RPM locker mit unseren kleinen Zentrifugen im Labor aufnehmen. Sonstiger Wertgehalt des Trainingsprogramms....hmmm....naja. Bin ich halt mein eigenes Ding gefahren. Instrukteur 2 dann war deutlich besser, hatte gute Musik und ein gutes Programm zusammengestellt – leider war das seine letzte Stunde in diesem Center. Schade.
Dann, gestern: Boxtraining! Hatte ich schon immer mal ausprobieren wollen. Die Stunde hiess was mit ‚Intro’, und in der Beschreibung hiess es: „Hier legen wir grossen Wert darauf, Euch die grundlegenden Techniken zu vermitteln...bla bla.“
Wie hier in DK so üblich finden sich alle schweigend und leicht peinlich berührt im Trainingsraum ein, brav in einer Reihe aufgestellt und den Blick auf den Boden gerichtet. Als letztes kommt der Instruktor rein, ein langer, kräftiger Typ mit kurz geschorenen Haaren. Er stellt sich uns gegenüber und sagt: „Hallo, ich bin Claus. Auf geht’s, warmlaufen!“ So ging das dann die nächste Stunde weiter, wir machten Liegestütze, Kniebeugen, Sit-ups, Sprints, noch mehr Liegestütze, und dazwischen hämmerten wir auf den Sandsäcken herum. Alles ohne das kleinste bisschen Anleitung. Ich hatte einen ätzenden Tag hinter mit und drosch entsprechend heftig auf den Sandsack ein – immer schön mit geraden Schlägen, so wie ich das noch vom Karate in Erinnerung hatte. Die anderen beiden in meiner Kleingruppe schlugen auch Haken und Aufwärtshaken, und nachdem ich ein wenig zugesehen hatte, und eifrig wie ich war, probierte ich das auch mal aus. Rumms. Schon beim zweiten Versuch eines rechten Hakens kam ich irgendwie schief auf, und ein rasender Schmerz fuhr mir durch das rechte Handgelenk. Als ich aufstöhnte und mir den Arm hielt, meinte das eine Mädel zu mir: „Ja, dabei kann man sich ganz leicht verletzen – das war das erste, was uns der Trainer, der hier sonst immer ist, erklärt hat. Man muss das Handgelenk unbedingt gut versteifen und ganz gerade auftreffen, sonst kann man sich schwer verstauchen.“ - Na, toll, vielen Dank auch, dachte ich. Hätte mir das vielleicht auch mal jemand früher sagen können? Wozu geht man denn zu einer Intro-Stunde?
Den Rest des Trainings liess ich das mit den Haken lieber sein und schlug nur noch mit links richtig zu. Claus war bei mir gründlich unten durch, auch wenn es nun auch zu spät war und ich den Rest der Woche mit verbundenem Handgelenk herumlaufen musste. Wie sich eine Woche später herausstellte, war der eigentliche Trainer für diese Stunde im Urlaub gewesen. In der darauf folgenden Woche erklärte dieser dann tatsächlich alles sehr gründlich, und gab ein nach meinem Geschmack viel besseres Training – mit Ausnahme seiner ausserordentlichen Begeisterung für Liegestütze, die bei mir auf recht wenig Gegenliebe stiess. Naja, wie sollte ich auch, das Handgelenk war – und ist auch jetzt nach zwei Wochen - immernoch Schrott.

Also, mein Fazit: Boxtraining ist krass anstrengend, aber macht Riesenspass. Vor allem kann ich die „reinigende“ Wirkung bestätigen, die mir mal jemand beschrieben hat. Danach ist man einfach nur glücklich, dass man es überstanden hat, und von all den ungelösten Fragen und den Sorgen, die man vorher noch mit sich herumgetragen hat, bleibt nur die eine : „... wie komme ich bloss die 2 Treppen runter zur Umkleide?“

In diesem Sinne, liebe Freunde:
Happy Aus-tobing!

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Mittwoch, 15. Januar 2014
Welcome 2014!
So, ein neues Jahr ist angebrochen, und zum ersten Mal habe ich mir wirklich mal die Zeit genommen, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, ja sogar so etwas wie meinen kleinen persönlichen Jahresrückblick zu verfassen. Man schlittert ja zeitweise so durch die Wochen und Monate, dass man gar nicht dazu kommt, überhaupt mal inne zu halten und ein wenig zu reflektieren.
Das war erstaunlich aufschlussreich, denn wie manchmal beim Lesen in alten Tagebüchern, fällt einem doch hin und wieder einmal etwas auf, ein wiederkehrendes Muster von Geschichten, von Ursache und Wirkung, von Ärgernissen und Lektionen, die man eigentlich schon mehrfach gelernt haben sollte, aber dann wieder vergessen hat.
Deswegen habe ich mir dieses Jahr als guten Vorsatz vor allem vorgenommen, nur noch solche Fehler zu machen, die ich nicht schon einmal gemacht habe. Davon gibt’s ja auch noch genug, also wird es sicher auch 2014 nicht langweilig! ☺

In diesem Sinne, liebe Freunde, wünsche ich Euch allen ein gesundes, glückliches und erfolgreiches neues Jahr!

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Montag, 2. Dezember 2013
Raum-Zeit-Kontinuum
Herrjeh, die Zeit rennt - wo ist denn nur der Sommer schon wieder geblieben?
Gerade hat man noch den Sonnenbrand auskuriert, und - schwupps - ist es auf einmal schon Anfang Dezember und draussen tobt ein Sturm, dass einem ganz mulmig wird!
Wenn ich recht überlege, hatt ich Anfang diese Jahres eigentlich vorgehabt, mein Reisepensum ein wenig herunter zu schrauben... nun ja... ich muss zugeben, ich bin fulminant gescheitert.
Ein Weilchen war ich zwar nach der Hawaii-Tour auch mal wieder zu Hause, aber schon im September ging der nächste Trip los, und das war nun wirklich ein Globus-hopping sondergleichen: 6 Ziele und 4 Konferenzen in 3 Wochen.
Unter anderem hatte ich das Glück, dass eine der Konferenzen in Maine statt fand, einer der schönsten Gegenden der USA, vor allem im Herbst, wenn sich die Wälder in die schönsten Farbenteppiche verwandeln.
Einen halben Tag Freizeit nutzte ich dort – gerade noch rechtzeitig vor dem ‘shutdown’ – um den Acadia National Park zu erkunden: eine wunderschöne Mischung aus einer zerfransten Küstenlinie, bunten Mischwäldern und schuppigen Granitfelsen, zwischen denen sich am frühen Morgen (es lebe der Jetlag) noch einige müde Nebenschwaden verirrt hatten.
Mein Mietwagen, Economy-Klasse, fiel mit einem Dodge ‘Charger’ dann doch eine Nummer grösser aus, als ich erwartet hatte, und so konnte ich es auch nicht lassen, ein wenig mit dem Ellenbogen auf der Fensterkante über den Highway zu cruisen. Geiles Gefühl!
Über den Rest der Konferenz gibt es nicht mehr allzu viel Spannendes zu berichten, ausser, dass ich noch während meines Aufenthaltes in Maine erfuhr, dass meine Rückreise mich nicht nach Kopenhagen führen würde, sondern nach London, wo ich zwischenzeitlich noch zu einem Vortrag bei der Royal Society rekrutiert worden war. Naja, dachte ich mir, auch gut. London ist ja schliesslich immer schön.
Zwischendurch musste ich allerdings nochmal kurz für 3 Tage nach Kopenhagen, und irgendwie muss ich mittendrin mal den Überblick verloren haben. Denn als ich bei der Passkontrolle am Flughafen in London stand, und mich der Beamte so beiläufig fragte, wo ich den gerade her käme, stand ich so dermassen auf der Leitung, dass ich ihn sekundenlang anstarrte, während ich in meinem Gehirn nach der Erinnerung kramte, wo ich eigentlich an diesem Morgen um 4 Uhr in der Frühe aufgebrochen war… Er schaute mich halb skeptisch, halb amüsiert an, während ich nachdachte, und irgendwann kam ich dann auch endlich drauf, und damit auch rein ins UK.
Etwas ehrfürchtig war ich dann allerdings doch, als ich schon auf dem Weg zum Namensschildchen abholen bei der Royal Society an Faraday, Banks und Maskelyne vorbei kam – alle in Öl auf Leinwand, versteht sich, aber trotzdem irgendwie recht gewichtig; und das meine ich nicht nur auf’s Körperliche bezogen! ;-)
Als ich dann mit Vorsingen dran war, versuchte ich einfach nicht daran zu denken, wie hier, bei der gleichen Akademie, vor rund 240 Jahren der grosse James Cook von seinen Entdeckungen in Pazifik…
Wie auch immer, ich überlebte meine halbe Stunde im reflektierten Glanz der alten Meister halbwegs unbeschadet und hätte danach zur Belohnung am liebsten im Pub um die Ecke ein ordentliches Pint getrunken. Leider stand aber stattdessen ein etwas steifes, und sehr britisches, Dinner an, bei dem ich zu etwa 98% ehrlich nicht die leiseste Ahnung hatte, wovon meine Tischnachbarn gerade am reden waren. Eine gute Gelegenheit also, meine Technik im ‘Ich-hab-leider-gerade-den-Mund-voll-kann-also-nichts-sagen-aber-nicke-einfrig’ zur Vollendung zu verfeinern. Welch ein Spass!
Tja, und wie heisst es so schön: “Time flies when you’re having fun”, womit wir wieder beim Thema wären.

Morgen geh ich Adventskranz kaufen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit!

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