Sonntag, 14. April 2013
Bike(Un-)Fit
Wie jedes Jahr um diese Zeit will ich mein Leben umkrempeln - gesünder essen, mehr Sport treiben, früher ins Bett gehen...die üblichen Vorsätze, die ich doch meist nie länger als 1-2 Wochen aufrecht erhalten kann.
Eigentlich war ich diesmal sogar ganz gut bei der Sache: ich habe zwei Wochen lang jeden morgen brav gefrühstückt, war ein paar Mal Laufen und hab zuhause die Hanteln geschwungen und meinen aktuellen Rekord von 1 auf 4 Liegestütze gesteigert. :-)
Doch dann musste ich für eine Woche nach Kopenhagen und mein schöner neuer Rhythmus war schon wieder dahin. Damit das nicht wieder passiert, habe ich mich nun doch mal wieder in einem Fitness-Center angemeldet, denn die haben Muckibuden in jeder größeren Stadt, so dass ich keine Ausreden mehr habe, wenn ich unterwegs bin.
Mein lokales Center liegt etwa 500 m von meiner Haustür entfernt - also ist nicht mal schlechtes Wetter eine wirkliche Ausrede. Nachdem ich mich bei einem ersten Training orientiert hatte, hatte ich nun heute mal eine Bike-Fit Stunde gebucht. Ich hatte das zwar früher regelmässig gemacht, aber da das schon Jahre her ist, habe ich mich für eine Stunde mit dem Prädikat "Fatburner" entschieden, weil - meinem bescheidenen trainingstheoretischen Verständnis nach - das auf relativ niedriges Intensitätsniveau hindeutete.
Geklickt, getan, ich gehe hin, setz mich aufs Rad und pedaliere gemütlich vor mich hin, wir sind etwa 15 Leute. Der Raum ist super, im 4. Stock mit Blick über die Stadt. Einziges Problem: der Trainer har verschlafen und taucht erst 20 Minuten zu spät auf. Naja, denke ich, vielleicht nicht so schlecht, habe ich eine längere Aufwärmphase gehabt.
Die Stunde geht also los und ich denke noch so, okay, Maike, Du gehst das jetzt mal ganz gemütlich an, schließlich liegt deine letzte Spinningstunde mindestens 3 Jahre, 20 Tüten Erdnussflips und wer weiß wie viele Stunden zelebrierten Couch-potato-tums zurück.
Aber ich fühle mich gut, hatte zwar nur einen Yoghurt zum Frühstück, aber spätestens als die Lautsprecher anfangen, The Rasmus, Foo Fighters und Rammstein auszuspucken, bin ich voll dabei und versuche, den Anweisungen des Trainers zu folgen, auch wenn ich nur ungefähr 10 % von dem was er in die Musik rein brüllt, verstehe.
So weit so gut, es macht Spass, aber schon nach 10 Minuten habe ich das Gefühl, dass mein Puls sich eher in der roten Warnzone befindet, als im gemütlichen Fettverbrennungsbereich. Ergo nehme ich Widerstand raus und versuche, die Intensität zu verringern, was aber gar nicht so einfach ist, weil der Trainer gerade lautstark Sprintsequenzen fordert.
Weitere 10 Minuten später passiert dann das, was ich zwar eigentlich schon hätte erwarten sollten, was mich aber dennoch kalt erwischte: die viel zu lange und zu hohe Pulsfrequenz auf mein relativ untrainiertes Herz-Kreislauf-System und die stehende Luft, die ich noch nie gut vertragen habe, sorgen dafür, dass ich innerhalb von 10 Sekunden vom "alles-ist-gut" in den "scheisse-mir-wird-schwarz-vor-augen" Modus lande. Ich kenne das wie gesagt schon, leider ist es meist zu spät, wenn ich es bemerke.
Ich nehme sofort den Widerstand aus dem Rad, setze mich aufrecht hin, Arme über dem Kopf und versuche, tief und gleichmäßig zu atmen, während die anderen gerade ihre zehnte Sprintsequenz abreißen.
"Nur nicht vom Rad kippen oder mich übergeben", denke ich, ist schon peinlich genug, so offensichtlich aus der Reihe zu tanzen. Der Trainer hat mein Verhalten bemerkt, er kommt und fragt, ob alles okay sei. Ich weiß nicht genau, was Kreislauf auf Dänisch heißt, also sage ich nur "mir geht's gerade nicht so gut". Seine Antwort verstehe ich nicht, bin zu beschäftigt, nicht ohnmächtig zu werden.
Einige Minuten später ist mir immer noch komisch und ich beschließe, nun doch lieber abzusteigen, als als Dramaqueen vom Rad zu kippen. Also setze ich mich auf den Boden neben das Rad, lege die Füße hoch und versuche dabei so auszusehen als würde ich das immer so machen. Innerhalb von Sekunden wird es besser, ich hab wieder Blut im Kopf, der Schwindel verschwindet, meine Knie hören auf zu zittern und ich hab keine Gänsehaut mehr.
Peinlich ist es natürlich immernoch, und das, obwohl meine Schwelle da sonst eigentlich relativ hoch liegt.
Egal, nach 5 Minuten als Marienkäfer setze ich mich wieder aufs Rad und pedaliere noch locker aus, bis die Stunde zu ende ist. Der Trainer kommt nochmal zu mir und fragt, ob ich ok sei, und ich versuche so beiläufig wie es nur geht zu sagen, dass ich eben manchmal Probleme mit der stehenden Luft habe.
In der Umkleide versuche ich keiner von den anderen Teilnehmerinnen irgendwie zu begegnen, was natürlich nicht funktioniert, aber zum Glück sind die Dänen ja nicht so kontaktfreudig, dass sie einen einfach so anquatschen würden.
Tja, peinlich war's schon, aber was soll’s. Ich war da, und meine Gummibeine eben im Treppenhaus bezeugen, dass ich auch was gearbeitet habe, bevor mein Kreislauf sich entschlossen hat, flöten zu gehen. Da hilft wohl nur eins - gleich zur nächsten Stunde anmelden und positiv denken: wenigstens hab ich nicht gekotzt!

In diesem Sinne, bleibt sportlich,
liebe Grüße,
Eure Maike

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren





Donnerstag, 21. Februar 2013
Hang Ten - oder wie mich die Welle bezwang
So. Nun ist es schon Februar, und ich hänge bloggenderweise immernoch in Hawaii....während die anderen Stories sich langsam ansammeln. Also nun noch schnell Teil 3 meines Kurztrips ins Paradies erzählt!
Am letzten Tag meiner Reise habe ich mir noch etwas ganz besonderes vorgenommen – eine Surfstunde in Haleiwa, an der berühmten 'North Shore', dem absoluten Wellenreiter-Mekka. Es passt sich gut, dass im Sommer der Wellengang deutlich schwächer ist, so dass man als Anfänger überhaupt eine Chance hat, mal die Füsse aufs Brett zu bekommen, ohne gleich Kopf und Kragen zu riskieren.
Ich finde mich also zur verabredeten Zeit am Übungsstrand ein. Wir sind insgesamt 5 Teilnehmer und haben 2, später sogar 3, Instruktoren. Instruktorinnen genauer gesagt, denn die Surfschule wird nur von Mädels betreut. Als erstes machen wir ein paar Trockenübungen an Land, um den Bewegungsablauf einige Male durchzuspielen. “Paddeln, paddeln, paddeln, Hände zurück, Arme durchdrücken, in die Hocke springen, Fuss nach vorne, geradeaus gucken, Arme ausstrecken – alles klar?” Ich komme mir gleichzeitig total dämlich und saucool vor – wie das genau geht, weiss ich nicht, aber so war es. :-) Da ich die einzige bin, die noch nie auf einem Surfboard gestanden hat, widmet sich eine der Instruktorinnen ganz mir, auch weil ich ein paar mal nachfragen muss ('wie war das im Mittelteil?'). Sie grinst über meine ersten staksigen Trockenversuche und meint augenzwinkernd zu mir: “Die Physis und den Look haste ja schon, jetzt kriegste von uns noch die Technik dazu, und dann steht Deiner Surfergirl-Karriere ja nichts mehr im Weg!”
Nachdem uns noch kurz erklärt wird, wie es im Wasser ablaufen soll, wo wir hinsteuern bzw. nicht hinsteuern sollen, und vor allem, dass wir möglichst nicht – oder wenn dann nur flach – fallen sollen, um keine unsanfte Begegnung mit dem Riff zu machen (schauder), geht es ab in die Wellen!
Die Mädels haben eine sehr gut funktionierende Methode: sie sammeln uns an bestimmten Punkten, schicken uns einzeln stationsweise weiter und schieben uns letztendlich im richtigen Moment auf die richtige Welle. Wobei die Entscheidung, was genau der richtige Moment ist, natürlich bei ihnen liegt...
“Ready?” fragt mich Erin, von deren Gesicht ich unter Basecap und Sonnenbrille nur einen sunblockergefärbten Mund sehe. “Mmmh”, nicke ich, und zwei Sekunden später gibt sie meinem Surfboard einen Schubs und schickt mich mit einem “Go! Paddle-paddle-paddle!” auf die Reise. Bevor ich noch Zeit habe, mich umzusehen, wo die Welle eigentlich ist, geschweige denn irgendwie daran denke, mich aufzurichten und auf die Füsse zu stellen, bekomme ich von der Welle eine volle Breitseite, und als ich 10 Sekunden später prustend aus der Gischt wieder auftauche und mich nach meinem Brett umsehe, welches von irgendwo her an meinem Knöchel zuppelt, wird mir bewusst, dass das Surfen doch eine deutlich schnelle Angelegenheit ist, als ich erwartet hatte.
Mein Ehrgeiz ist nun aber endgültig geweckt und ich paddle wieder raus, um es noch einmal zu versuchen. Diesmal bin ich etwas besser vorbereitet, und in dem Moment, wo die Welle das Board anzuheben beginnt, atme ich nochmal tief ein und lege los: Hände zurück, Arme durchdrücken, in die Hocke springen, auf-.....uaaah....aufrichten....und schwupps, stehe ich auf dem Board und surfe auf meiner ersten Welle! Das genialste Gefühl der Welt! Um nicht auf das Riff zu knallen, plumpse ich nach ein paar Sekunden Glücksgefühl etwas ungelenk wieder bäuchlings auf das Board zurück und paddle stolz wie Oskar und mit Feuereifer wieder raus in die Wellen. In der Zwischenzeit ist die Chefin der Surfschule, Carol, auch aufgetaucht, und mit einem nicht zu deutenden Gesichtsausdruck, sagt sie zu mir: “Sehr beeindruckend. Du hast so ungefähr alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, aber bist trotzdem auf dem Board stehen geblieben.” Ich muss lachen, denn treffender hätte man nich ausdrücken können, wie sich dieser erste Wellenritt angefühlt hat.
Die nächsten anderthalb Stunden vergehen wie im Fluge, während abwechselnd mal die Welle und mal ich die Oberhand behalte. Irgendwann tut mir alles weh, die Arme sind schwer und die Haut eigentlich überall abgeschürft, und der Unterricht ist vorüber.
Im Anschluss gehen wir noch Burger essen und besuchen einen Strand ganz in der Nähe, wo eine Handvoll Seeschildkröten gemütlich in der Abendsonne dösen. Wärend wir ein riesigen Shave Ice genissen, versucht Carol mich zum Auswandern zu überreden. "... and then you come out here every weekend, we'll adopt you and turn you into the total surf-bum!" Ich nicke lachend und kann mir das für den Bruchteil einer Sekunde sogar wirklich vorstellen.

Was für eine unwirkliche Erinnerung, wenn ich daran denke, dass ich jetzt gleich in den frostigen dänischen Februarwind da draussen muss.....

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren





Montag, 3. Dezember 2012
Aloha again
Als ich den Pflichtteil meines Aufenthalts hinter mir habe, packe ich Schnorchel und Flossen ein und mache mich auf nach Waikiki Beach, wo ich voll touri-mässig eine Segelfahrt mit einem Katamaran gebucht habe - samt Verpflegung und Schnorchelausflug. Der Kahn sieht sehr schnittig aus und heisst "MaiTa'i" - sehr vielversprechend. Drei junge Skipper - zur Freude der weiblichen Teilnehmer mit barem Oberkörper - sortieren uns auf die Passagierbänke und bringen den Kat in Bewegung, erst einmal heraus aus der Badezone vor dem Sheraton Hotel. Der Typ, der das Sagen hat, sieht aus wie eine Mischung aus Markus Lanz und Jörg Pilawa, minus 15 Jahre. Sie suchen uns eine Stelle etwas weiter draussen vor der Bucht, wo angeblich "die Seeschildkröten rumhängen". Fast alle der 47 Teilnehmer hüpfen ins angenehm temperierte Wasser und schnorcheln wild drauflos, dass es nur so spritzt. Ich bin dankbar, dass ich eine recht flinke Wasserratte bin und bringe erstmal ein paar Kraulzüge zwischen mich und das übrige Touristenplanschgelage. Unter der Wasseroberfläche begegne ich zwar leider keiner Schildkröte, aber es findet sich allerlei anderes spannendes Getier an dem Riff. Einmal finde ich mich mitten in einem Schwarm recht grosser, schwarzer Fische wieder - ein sehr genialer Moment. Nach einer knappen Dreiviertelstunde wird es doch etwas kühl und ich krabble wieder an Bord, wo schon wieder ordentlich Betrieb ist, denn in der Zwischenzeit wurden die Sandwiches ausgepackt.
Als alle gestärkt sind, setzen wir Segel und ziehen in einem weiten Bogen um die Bucht herum. Plötzlich erhebt Jörg-Markus die Stimme und sagt: "Guys, we got dolphins!" Und tatsächlich - direkt neben dem Boot zieht ein Schwarm Delphine vorbei - die Rückenflossen tauchen majestätisch und völlig synchron neben uns auf und ab und alle verstummen in Ehrfurcht (und fummeln hektisch an ihren Kameras herum).
Was für ein schönes Erlebnis! Als wir wieder an Land kommen, geben wir jeder noch 20 Dollar aus, um die gestellten Fotos zu erstehen, die von jedem geschossen wurden, als wir an Bord gingen, und gehen dennoch mit dem Gefühl nach Hause, voll auf unsere Kosten gekommen zu sein.
Wie schon zuvor ist es mir irgendwie egal, einen auf Touri zu machen. Wenn man so eine 'once-in-a-lifetime' Gelegenheit hat, muss man da einfach mal drüberstehen und das mitnehmen, was in der kurzen Zeit irgendwie geht, sage ich zu mir. Waikiki ist zwar natürlich schon irgendwie Abzocke - aber trotzdem… ich bin viel zu verzaubert von der Schönheit und Exotik der Insel, um mich an der unvermeidlichen touristischen Ausnutzung wirklich zu stören. Erstens erscheint es mir nicht so, dass der Tourismus hier alles total verdorben und verschandelt hat, und ausserdem denke ich an die Leute wie Jörg-Markus, die hier im Paradies arbeiten, und irgendwie ja auch überleben müssen.

Soviel zu Teil 2 meines Hawaii-Berichts, Teil 3 folgt hoffentlich noch vor Weihnachten (damit es dann endlich mit etwas jahreszeitgerechteren Beiträgen weitergehen kann).

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren