Freitag, 4. Mai 2012

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Ahoi - Kapsejlads 2012
Beinahe vier Jahre bin ich nun schon in Aarhus, und eigentlich kann es gar nicht angehen, dass ich es erst in diesem Jahr geschafft habe, dem größten studentischen Ereignis der Uni Aarhus beizuwohnen: dem Kapsejlads!
Um diese Veranstaltung zu verstehen muss man wissen, dass die Dänen ein sehr sportbegeistertes Volk sind. Sportliche Leistungen und Wettbewerb liegen ihnen einfach im Blut. Dazu kommt, dass wohl der verbreitetste Studentensport in Dänemark das Bier trinken ist. Eine Kombination aus beidem ist also quasi der Inbegriff der dänischen Studentenseele.
Und dies alles vereinigt sich im Kapsejlads: Vertreter aus 12 Studentenvereinigungen der verschiedenen Studienrichtungen treten gegeneinander in einer Bierstaffel (Ølstaffet)' an. Es geht darum, über den kleinen See im Universitätspark zu paddeln, am anderen Ende auszusteigen, eine Flasche Bier auf Ex zu leeren, sie dann 10 Mal auf der Stelle zu umkreiseln und dann wieder zurück zu paddeln. Das ganze als Fünferstaffel - das schnellste Team gewinnt eine goldene Schüssel (die dann natürlich sofort mit Bier gefüllt und leergetrunken wird).
Was (ich spekuliere mal) einmal als fixe Idee von alkoholisierten Studenten angefangen haben mag, hat sich inzwischen zu einer Großveranstaltung mit 15 - 20 000 Zuschauern entwickelt. Einige Studenten kampieren schon die Nacht vor dem großen Tag im Uni-Park, um sich die besten Plätze zu sichern. Am Tag des Kapseijlads noch einen Platz mit Blick auf den See zu bekommen, ist so gut wie unmöglich. Aber das ist auch nicht so schlimm, denn das Ambiente zählt, und man kann sich das Rennen ja auch hinterher im Internet ansehen.
Als Kommentatoren wurden dieses Jahr die beiden - hierzulande sehr populären - dänischen Tour-de-France-Reporter eingeladen. Rund um das eigentliche Rennen gibt es ein buntes Rahmenprogramm. So stellen sich alle Teams mit einer kleinen Performance-Show dem Publikum vor, und bevor es richtig losgeht, wird noch die Nationalhymne gesungen. Angeblich gab es wohl auch einen Nacktwettlauf um ein Ticket für's Roskilde-Festival - den habe ich allerdings leider verpasst...
Das Ganze hat ein wenig Festivalcharakter, man lümmelt auf der Wiese herum oder spielt Frisbee, genießt das Leben.... trinkt natürlich standesgemäß literweise Bier und beobachtet das bunte Treiben rund umher. Das schöne Wetter gestern trug seinen Teil zur guten Stimmung bei, und sicherlich habe nicht nur ich dabei den ersten ordentlichen Sonnenbrand des Jahres abbekommen.
Alles in allem eine sehr vergnügliche Veranstaltung, die viele schöne Erinnerungen an die eigene Studentenzeit aufkommen läßt.
Auch wenn ich wohl viel zu nüchtern durch den Tag gekommen bin, um so richtig mitreden zu können, wie sich der Kapsejlads eigentlich anfühlen muss, war es schön, es mal miterlebt zu haben!
In diesem Sinne "Ahoi".... und natürlich einen Glückwunsch an die Ökonomen, die dieses Jahr den glorreichen Sieg eingefahren (und natürlich eingesoffen und eingekreiselt) haben!

Wen es interessiert: hier ist das Video zum Finallauf des Kapsejlads 2012:
http://vimeo.com/41529449

(Das mit dem Einbetten muss ich wohl noch ein wenig üben...)

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Dienstag, 1. Mai 2012
Wasserball für Anfänger
Machen wir uns nichts vor, liebe Freunde, wir werden alle nicht jünger und keinem fällt dieses Faktum besonders gerne auf.
Und da ich seit einiger Zeit mit meinem Rücken zu tun habe, und ausserdem noch ein altes Versprechen gegenüber einem lieben Kollegen einzulösen hatte ("Wenn Du dann mal hier Deine Doktorarbeit anfängst, dann...."), bin ich also gestern abend zu meinem ersten Wasserballtraining seit mindestens 8 oder 10 Jahren gegangen.
War schon eine lustige Erfahrung. Wir treffen uns kurz vor Trainingsbeginn an der Schwimmhalle und brauchen erst mal ein Weilchen, um den richtigen Ansprechpartner zu finden. Als wir schliesslich mit schicken blauen Gummi-Schuhüberziehern vor dem Trainer stehen und ihm zu verstehen geben, dass wir gerne ein Probetraining mitmachen würden, sagt er nur: "Ok." Dann mustert er uns noch kurz und fragt: "Have you tried to play it before?". Mein Kollege sagt nein, ich murmle etwas von "Ja, vor etwa hundert Jahren...". "Ok.", sagt er.
Dann ziehen wir uns um und ab auf die Anfängerbahn... Der Trainer hat nicht einmal nach unseren Namen gefragt, so mit der Zeit finden wir selbst heraus, dass die Leute auf der Nachbarbahn wohl auch noch dazu gehören. Dass es alles Jungs sind, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Später kommt aber sogar noch ein Mädel dazu. Beachten tut uns eigentlich keiner, und der Trainer ist eh die meiste Zeit mit seinem Handy beschäftigt.
Nun ist Wasserball ja nicht gerade bekannt dafür, ein leichter und gemütlicher Sport zu sein. Schlimm wird es allerdings erst dadurch, dass man früher schon einmal auf ein gewisses Konditionslevel gekommen war und nun quasi wieder bei Null anfangen muss.
Wo man früher mal locker mit 400 m Lagen zum gemütlichen Einschwimmen angefangen hat, stellt man heute fest, dass man schon nach 100 m Kraul irgendwie kaum noch Luft kriegt. Die Bälle wollen auch einfach nicht mehr so an der Handfläche kleben bleiben wie früher, und allein das Tor überhaupt zu treffen ist erstaunlich schwierig. Ich lasse erstmal nicht durchblicken, dass ich Dänisch kann. Kann ja sehr aufschlussreich sein, wenn die anderen davon ausgehen, dass man sie eh nicht versteht. :-) Leider bin ich während des Spieltrainings allerdings so sehr damit beschäftigt, überhaupt mit meiner Nasenspitze über der Wasseroberfläche zu bleiben, dass ich kaum irgendetwas höre, geschweige denn verstehe.
Gegen Ende des Trainings klappen dann aber sogar noch ein paar Dinge: ich erinnere mich wieder dunkel daran, wie man das Tor trifft und auch ein paar meiner Passversuche landen artig in der Hand des Empfängers. Einmal schaut sogar der Trainer von seinem Handy auf und sagt sowas wie "Good".
Mein Kollege, für den dies das allererste Wasserballtraining - ever - war, schlägt sich trotz Kontaktlinsen-Kampf auch sehr tapfer und gibt, wie sich herausstellt, sogar einen ganz brauchbaren Goalie ab.
Fazit des Abends: wir haben uns wacker geschlagen, keine Totalblamage abgeliefert und hatten sogar ein bisschen Spass.
Als ich dann heute morgen aufwache und versuche, aus dem Bett zu kommen, habe ich noch einen grossen, sehr tiefgehenden, alles umfassenden Gedanken zu diesem Thema. Er heisst: "Au......".

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Dienstag, 17. April 2012
Forschung auf Angelsächsich
Ich bemühe mich ja, ich bemühe mich ja, aber dennoch kommen immer wieder Klagen über zu seltene Blogeinträge...

Hier nun also mal wieder ein kleines Update:
Den März habe ich dieses Jahr fast komplett in Cambridge verbracht, für ein 'Austauschforschungsprojekt' am MRC Laboratory for Molecular Biology, kurz: dem LMB. Ein fantastisches Institut, vollgestopft mit hellen Köpfen aus aller Welt... und mit so viel Krempel, dass man auf den Fluren nach dem Reissverschluss-System vorgehen muss, um aneinander vorbei zu kommen. Für den Aussenstehenden erscheinen diese für unsereinen 'heiligen Hallen' wahrscheinlich völlig chaotisch und unordentlich, aber dort zu arbeiten war eine der spannendsten und inspirierendsten Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe. In der spartanisch und etwas veraltet eingerichteten Kantine im Dachgeschoss trifft man sich zu 'coffee'-, 'lunch'- und 'tea-time'-Zeiten und diskutiert über alles, was das Wissenschaftlerherz so beschäftigt. Da sitzt der Nobelpreisträger neben dem Doktoranden und man tauscht Ideen aus, während man an einem Käsebrötchen knabbert. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass es sich wirklich sehr positiv auswirkt, Leute aus verschiedenen Fachbereichen und Arbeitsgruppen auf relativ engem Raum zusammen zu pferchen. Denn spätestens, wenn man das dritte Mal irgendwo an einer Flurecke zusammengestossen ist, kommt man einfach zwangsläufig ins Gespräch.
Sowohl in einem früheren, als auch in meinem jetzigen Institut kann man eindrucksvoll die gegenteilige Entwicklung beobachten. Ein lang ersehnter Umzug in grössere Labor- und Büroräume, wo man nun ein ganzes Büro mit nur 2 oder 3 Leuten teilt, anstatt zu neunt in einem Raum zusammen zu hocken, und wo die Laborbereiche fein säuberlich nach Gruppen aufgeteilt und getrennt werden, führt unweigerlich dazu, dass keiner mehr mit dem anderen redet. Für das Mehr an Platz bezahlt man mit weniger Kommunikation, weniger Ideenaustausch, und sogar einer gewissen "Entfremdung" von Leuten, die vorher an benachbarten Schreibtischen sassen. Eigentlich schade.
Nunja, neben der spannenden beruflichen Erfahrung gab es natürlich auch noch jede Menge Full English Breakfast, Eingewöhnungsschwierigkeiten mit dem Linksverkehr (Immer schön links halten!"), wunderbare College-Streifzüge, Konzertabende, Shopping-Exzesse (die Engländer haben wirklich tolle Schuhläden), und die erste Sonnenbräune des Jahres.
Very nice!

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