Donnerstag, 21. Februar 2013
Hang Ten - oder wie mich die Welle bezwang
So. Nun ist es schon Februar, und ich hänge bloggenderweise immernoch in Hawaii....während die anderen Stories sich langsam ansammeln. Also nun noch schnell Teil 3 meines Kurztrips ins Paradies erzählt!
Am letzten Tag meiner Reise habe ich mir noch etwas ganz besonderes vorgenommen – eine Surfstunde in Haleiwa, an der berühmten 'North Shore', dem absoluten Wellenreiter-Mekka. Es passt sich gut, dass im Sommer der Wellengang deutlich schwächer ist, so dass man als Anfänger überhaupt eine Chance hat, mal die Füsse aufs Brett zu bekommen, ohne gleich Kopf und Kragen zu riskieren.
Ich finde mich also zur verabredeten Zeit am Übungsstrand ein. Wir sind insgesamt 5 Teilnehmer und haben 2, später sogar 3, Instruktoren. Instruktorinnen genauer gesagt, denn die Surfschule wird nur von Mädels betreut. Als erstes machen wir ein paar Trockenübungen an Land, um den Bewegungsablauf einige Male durchzuspielen. “Paddeln, paddeln, paddeln, Hände zurück, Arme durchdrücken, in die Hocke springen, Fuss nach vorne, geradeaus gucken, Arme ausstrecken – alles klar?” Ich komme mir gleichzeitig total dämlich und saucool vor – wie das genau geht, weiss ich nicht, aber so war es. :-) Da ich die einzige bin, die noch nie auf einem Surfboard gestanden hat, widmet sich eine der Instruktorinnen ganz mir, auch weil ich ein paar mal nachfragen muss ('wie war das im Mittelteil?'). Sie grinst über meine ersten staksigen Trockenversuche und meint augenzwinkernd zu mir: “Die Physis und den Look haste ja schon, jetzt kriegste von uns noch die Technik dazu, und dann steht Deiner Surfergirl-Karriere ja nichts mehr im Weg!”
Nachdem uns noch kurz erklärt wird, wie es im Wasser ablaufen soll, wo wir hinsteuern bzw. nicht hinsteuern sollen, und vor allem, dass wir möglichst nicht – oder wenn dann nur flach – fallen sollen, um keine unsanfte Begegnung mit dem Riff zu machen (schauder), geht es ab in die Wellen!
Die Mädels haben eine sehr gut funktionierende Methode: sie sammeln uns an bestimmten Punkten, schicken uns einzeln stationsweise weiter und schieben uns letztendlich im richtigen Moment auf die richtige Welle. Wobei die Entscheidung, was genau der richtige Moment ist, natürlich bei ihnen liegt...
“Ready?” fragt mich Erin, von deren Gesicht ich unter Basecap und Sonnenbrille nur einen sunblockergefärbten Mund sehe. “Mmmh”, nicke ich, und zwei Sekunden später gibt sie meinem Surfboard einen Schubs und schickt mich mit einem “Go! Paddle-paddle-paddle!” auf die Reise. Bevor ich noch Zeit habe, mich umzusehen, wo die Welle eigentlich ist, geschweige denn irgendwie daran denke, mich aufzurichten und auf die Füsse zu stellen, bekomme ich von der Welle eine volle Breitseite, und als ich 10 Sekunden später prustend aus der Gischt wieder auftauche und mich nach meinem Brett umsehe, welches von irgendwo her an meinem Knöchel zuppelt, wird mir bewusst, dass das Surfen doch eine deutlich schnelle Angelegenheit ist, als ich erwartet hatte.
Mein Ehrgeiz ist nun aber endgültig geweckt und ich paddle wieder raus, um es noch einmal zu versuchen. Diesmal bin ich etwas besser vorbereitet, und in dem Moment, wo die Welle das Board anzuheben beginnt, atme ich nochmal tief ein und lege los: Hände zurück, Arme durchdrücken, in die Hocke springen, auf-.....uaaah....aufrichten....und schwupps, stehe ich auf dem Board und surfe auf meiner ersten Welle! Das genialste Gefühl der Welt! Um nicht auf das Riff zu knallen, plumpse ich nach ein paar Sekunden Glücksgefühl etwas ungelenk wieder bäuchlings auf das Board zurück und paddle stolz wie Oskar und mit Feuereifer wieder raus in die Wellen. In der Zwischenzeit ist die Chefin der Surfschule, Carol, auch aufgetaucht, und mit einem nicht zu deutenden Gesichtsausdruck, sagt sie zu mir: “Sehr beeindruckend. Du hast so ungefähr alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, aber bist trotzdem auf dem Board stehen geblieben.” Ich muss lachen, denn treffender hätte man nich ausdrücken können, wie sich dieser erste Wellenritt angefühlt hat.
Die nächsten anderthalb Stunden vergehen wie im Fluge, während abwechselnd mal die Welle und mal ich die Oberhand behalte. Irgendwann tut mir alles weh, die Arme sind schwer und die Haut eigentlich überall abgeschürft, und der Unterricht ist vorüber.
Im Anschluss gehen wir noch Burger essen und besuchen einen Strand ganz in der Nähe, wo eine Handvoll Seeschildkröten gemütlich in der Abendsonne dösen. Wärend wir ein riesigen Shave Ice genissen, versucht Carol mich zum Auswandern zu überreden. "... and then you come out here every weekend, we'll adopt you and turn you into the total surf-bum!" Ich nicke lachend und kann mir das für den Bruchteil einer Sekunde sogar wirklich vorstellen.

Was für eine unwirkliche Erinnerung, wenn ich daran denke, dass ich jetzt gleich in den frostigen dänischen Februarwind da draussen muss.....

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