Montag, 3. Dezember 2012
Aloha again
Als ich den Pflichtteil meines Aufenthalts hinter mir habe, packe ich Schnorchel und Flossen ein und mache mich auf nach Waikiki Beach, wo ich voll touri-mässig eine Segelfahrt mit einem Katamaran gebucht habe - samt Verpflegung und Schnorchelausflug. Der Kahn sieht sehr schnittig aus und heisst "MaiTa'i" - sehr vielversprechend. Drei junge Skipper - zur Freude der weiblichen Teilnehmer mit barem Oberkörper - sortieren uns auf die Passagierbänke und bringen den Kat in Bewegung, erst einmal heraus aus der Badezone vor dem Sheraton Hotel. Der Typ, der das Sagen hat, sieht aus wie eine Mischung aus Markus Lanz und Jörg Pilawa, minus 15 Jahre. Sie suchen uns eine Stelle etwas weiter draussen vor der Bucht, wo angeblich "die Seeschildkröten rumhängen". Fast alle der 47 Teilnehmer hüpfen ins angenehm temperierte Wasser und schnorcheln wild drauflos, dass es nur so spritzt. Ich bin dankbar, dass ich eine recht flinke Wasserratte bin und bringe erstmal ein paar Kraulzüge zwischen mich und das übrige Touristenplanschgelage. Unter der Wasseroberfläche begegne ich zwar leider keiner Schildkröte, aber es findet sich allerlei anderes spannendes Getier an dem Riff. Einmal finde ich mich mitten in einem Schwarm recht grosser, schwarzer Fische wieder - ein sehr genialer Moment. Nach einer knappen Dreiviertelstunde wird es doch etwas kühl und ich krabble wieder an Bord, wo schon wieder ordentlich Betrieb ist, denn in der Zwischenzeit wurden die Sandwiches ausgepackt.
Als alle gestärkt sind, setzen wir Segel und ziehen in einem weiten Bogen um die Bucht herum. Plötzlich erhebt Jörg-Markus die Stimme und sagt: "Guys, we got dolphins!" Und tatsächlich - direkt neben dem Boot zieht ein Schwarm Delphine vorbei - die Rückenflossen tauchen majestätisch und völlig synchron neben uns auf und ab und alle verstummen in Ehrfurcht (und fummeln hektisch an ihren Kameras herum).
Was für ein schönes Erlebnis! Als wir wieder an Land kommen, geben wir jeder noch 20 Dollar aus, um die gestellten Fotos zu erstehen, die von jedem geschossen wurden, als wir an Bord gingen, und gehen dennoch mit dem Gefühl nach Hause, voll auf unsere Kosten gekommen zu sein.
Wie schon zuvor ist es mir irgendwie egal, einen auf Touri zu machen. Wenn man so eine 'once-in-a-lifetime' Gelegenheit hat, muss man da einfach mal drüberstehen und das mitnehmen, was in der kurzen Zeit irgendwie geht, sage ich zu mir. Waikiki ist zwar natürlich schon irgendwie Abzocke - aber trotzdem… ich bin viel zu verzaubert von der Schönheit und Exotik der Insel, um mich an der unvermeidlichen touristischen Ausnutzung wirklich zu stören. Erstens erscheint es mir nicht so, dass der Tourismus hier alles total verdorben und verschandelt hat, und ausserdem denke ich an die Leute wie Jörg-Markus, die hier im Paradies arbeiten, und irgendwie ja auch überleben müssen.

Soviel zu Teil 2 meines Hawaii-Berichts, Teil 3 folgt hoffentlich noch vor Weihnachten (damit es dann endlich mit etwas jahreszeitgerechteren Beiträgen weitergehen kann).

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