Dienstag, 17. April 2012
Forschung auf Angelsächsich
Ich bemühe mich ja, ich bemühe mich ja, aber dennoch kommen immer wieder Klagen über zu seltene Blogeinträge...

Hier nun also mal wieder ein kleines Update:
Den März habe ich dieses Jahr fast komplett in Cambridge verbracht, für ein 'Austauschforschungsprojekt' am MRC Laboratory for Molecular Biology, kurz: dem LMB. Ein fantastisches Institut, vollgestopft mit hellen Köpfen aus aller Welt... und mit so viel Krempel, dass man auf den Fluren nach dem Reissverschluss-System vorgehen muss, um aneinander vorbei zu kommen. Für den Aussenstehenden erscheinen diese für unsereinen 'heiligen Hallen' wahrscheinlich völlig chaotisch und unordentlich, aber dort zu arbeiten war eine der spannendsten und inspirierendsten Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe. In der spartanisch und etwas veraltet eingerichteten Kantine im Dachgeschoss trifft man sich zu 'coffee'-, 'lunch'- und 'tea-time'-Zeiten und diskutiert über alles, was das Wissenschaftlerherz so beschäftigt. Da sitzt der Nobelpreisträger neben dem Doktoranden und man tauscht Ideen aus, während man an einem Käsebrötchen knabbert. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass es sich wirklich sehr positiv auswirkt, Leute aus verschiedenen Fachbereichen und Arbeitsgruppen auf relativ engem Raum zusammen zu pferchen. Denn spätestens, wenn man das dritte Mal irgendwo an einer Flurecke zusammengestossen ist, kommt man einfach zwangsläufig ins Gespräch.
Sowohl in einem früheren, als auch in meinem jetzigen Institut kann man eindrucksvoll die gegenteilige Entwicklung beobachten. Ein lang ersehnter Umzug in grössere Labor- und Büroräume, wo man nun ein ganzes Büro mit nur 2 oder 3 Leuten teilt, anstatt zu neunt in einem Raum zusammen zu hocken, und wo die Laborbereiche fein säuberlich nach Gruppen aufgeteilt und getrennt werden, führt unweigerlich dazu, dass keiner mehr mit dem anderen redet. Für das Mehr an Platz bezahlt man mit weniger Kommunikation, weniger Ideenaustausch, und sogar einer gewissen "Entfremdung" von Leuten, die vorher an benachbarten Schreibtischen sassen. Eigentlich schade.
Nunja, neben der spannenden beruflichen Erfahrung gab es natürlich auch noch jede Menge Full English Breakfast, Eingewöhnungsschwierigkeiten mit dem Linksverkehr (Immer schön links halten!"), wunderbare College-Streifzüge, Konzertabende, Shopping-Exzesse (die Engländer haben wirklich tolle Schuhläden), und die erste Sonnenbräune des Jahres.
Very nice!

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