Freitag, 18. Februar 2011
Vorfreude
Während draußen mal wieder alles verschneit ist und sich die allgemeine Stimmung so ein wenig ans Grau-in-grau der Wintertage angepasst hat, habe ich Glückliche gleich mehrere Gründe zur Vorfreude - welche ja bekanntlich die schönste Freude ist.
In etwa 5 Stunden sitze ich nämlich im Zug nach Kopenhagen, von wo aus die Reise dann weiter nach Norwegen geht:
8 Tage Ski fahren so lange das Tageslicht es zuläßt. Ich war nun schon zwei Mal an dem wunderschönen Fleckchen Erde namens Lemonsjø, allerdings ist das letzte Mal nun schon 10 Jahre her, und ich kann es kaum erwarten, die schöne 'Fjellstua', die Blockhütten, den See und die sanften Bergriesen rund umher endlich wiederzusehen.
Bevor ich diesen Ort kennengelernt habe und sich meine Langlauf-Erfahrung auf ein paar Wochenenden im hoffnungslos überfüllten Harz beschränkten, konnte ich beim besten Willen nicht verstehen, was einen normalen Menschen daran reizen könnte, sich zwischen Horden schnatternder Skiwanderer in eine vorgefertigte Spur einzureihen und durch den düsteren Fichtenwald zu schlurfen - noch dazu meist bergauf (wie unsinnig, bergauf Ski zu fahren!), und wenn bergab, dann ohne jede Möglichkeit zu bremsen, und ohne jemals genug freie Bahn voraus zu haben, um die Ski laufen zu lassen.
(Bevorzugterweise machen die Leute ja unmittelbar hinter einer kurvigen Abfahrt erstmal Teepause, IN der Loipe natürlich!).

Was für eine andere Welt ist es aber doch dort 'oben'!
Durch die nördliche Lage ist das Klima dort quasi 'höhenverschoben': auf 1000 m Höhe über dem Meeresspiegel ist schon die Baumgrenze, also knapp 1000 m niedriger als in den Alpen.
Mit anderen Worten, man muss nicht erst ins Hochgebirge, um sich zu fühlen wie auf dem Dach der Welt. Außerdem sind die Berge dort in der Gegend zwar imposant, aber sie stehen nicht so eng beieinander: statt schmaler, steil eingekerbter Täler gibt es dort weite Hochebenen - Fjälls - und viele Seen; statt düsterer Nadelwälder stehen lichte Wälder aus zwergenhaften Birken auf den Hügeln.
Man begegnet auf seinen Touren keiner Menschenseele, man hat einfach mal Platz, und wenn man zwischendurch einmal kurz innehält, hört man absolut n i c h t s außer dem eigenen Herzschlag und dem seichten Rauschen des Windes in den Birken. Was kann es da besseres geben, als auf Skiern durch diese wunderbare Landschaft zu gleiten! Zu Fuß würde man ja doch nur gleich bis zur Hüfte versinken.
(Ich spreche da aus eigener Erfahrung, habe ich doch einmal ganz dummdreist bei einer Pause einen Ski abgeschnallt und einen einzigen Schritt ohne getan...)
Bevor ich nun aber gar nicht mehr aus dem Schwärmen herauskomme: was ich sagen will ist, dass man einmal in so einer Gegend gewesen sein muss, um zu verstehen, was es mit Langlaufski fahren auf sich hat.
Nachdem ich selbst früher der festen Überzeugung war, Abfahrtski sei das einzig Sinnvolle, was man mit schneebedeckten Bergen anfangen kann, geht es mir nun genau umgekehrt, und ich kann mir nicht helfen
es etwas sinnentleert zu finden, sich immer und immer wieder mit einer Maschine ein- und denselben Hügel hochziehen zu lassen, um ihn dann wieder herunterzubrausen.

Meinem zweiten Grund zur Vorfreude muss ich wohl aufgrund dieser langen Schwelgerei nun den nächsten Blogeintrag widmen - das macht aber auch nichts, denn das "Objekt" der Vorfreude ist noch ein halbes Jahr hin.
Nun aber kribbelt es im Bauch und es riecht nach Schnee, Kaminfeuer, Multebeermarmelade und heißer Milch mit Honig.

Bis bald!

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