Sonntag, 30. Mai 2010
Ja, ja, wir Deutschen
Nun habe ich schon so viel über die Dänen geschrieben und noch gar nichts darüber, wie sehr man erst merkt, was eigentlich "typisch deutsch" ist, wenn man sich außerhalb Deutschlands befindet.
Auf unserer letzten Institutsparty gab es ein "Nationen-Quiz", wo aus einem Kultur-Guide namens "Behave Yourself - The essential Guide to International Etiquette" einige Beschreibungen zu bestimmten Kulturen zitiert wurden, und es zu erraten galt, um welche Nation es sich handelte. Es wurden natürlich die Länder ausgewählt, aus denen wir einen oder mehrere Vertreter in der Gruppe haben.
Da kam dann zum Beispiel das Temperament und das ausdrucksstarke Gestikulieren der Italiener, die Bierbrautradition in Tschechien, die Riesenportionen Junkfood in den USA, die Flaggenverliebtheit der Dänen, oder das "entspannte Zeitmanagement" der Spanier zur Sprache. Nun will ich versuchen, so gut ich mich noch erinnern kann, folgenden Abschnitt aus einer der Nationenbeschreibungen wiederzugeben:

"These people don't mingle. They don't go to parties to get to know new people, so don't wonder if they stand together in small groups and if it might not be easy to just join in and talk to them. [...] This is a time-dominated culture, so when it is your turn, be efficient!"

Na, wer kann damit wohl gemeint sein? Traurig aber wahr, der Groschen fiel bei mir schon nach dem ersten Satz. Ja, so sind wir wohl: kühl, distanziert, effizient und von der Zeit dominiert.
Ich bekomme auch ständig zu hören, ich sei immer so gut organisiert......wer mich kennt, braucht dazu keinen weiteren Kommentar! :-) Und ich muss zugeben, es macht mich wahnsinnig, wenn ich das Gefühl habe, es wird irgendwo unnötig Zeit verplempert und jemand kommt nicht auf den Punkt und ist..ja...einfach ineffizient....
Sind wir wirklich doch so stark von der heimatlichen Kultur geprägt? Eher nationale statt individueller Eigenschaften? Ein doch leicht erschreckender Gedanke, finde ich, aber ein bißchen stimmt es wohl.
Das einzige, wogegen ich mich wirklich verwehre, ist das Klischee, alle Deutschen würden nur und ständig den "Robot-Dance" tanzen, Ihr wisst schon, so mit diesen abgehackten Bewegungen, rechtwinklig versteifte Ellenbogen und so. Ich habe wirklich noch nie irgendwen in Deutschland so tanzen sehen...außer vielleicht im Fernsehen....aber das glaubt mir hier einfach keiner.

Aber was soll’s: so unbeliebt, wie ich immer dachte, sind wir Deutschen im Ausland gar nicht – und nachdem Lena nun gestern sogar den Grand Prix gewonnen hat, kann ja auch das Argument mit der musikalischen Retardiertheit endgültig entkräftet werden. Danke, Lena!

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren