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Mittwoch, 21. April 2010
Nobler Besuch
Mittwoch, 21. April 2010
Der Glanz des diesjährigen Nobelpreises in Chemie an Tom Steitz, Venkatraman Ramakrishnan und Ada Yonath (für die Strukturaufklärung des Ribosoms), strahlt in besonderer Weise bis zu uns nach Århus, denn mein Chef war als Postdoc bei Tom Steitz in Yale, und ein weiterer Professor hier aus dem Institut war seinerseits als Postdoc bei Venki Ramakrishnan in Cambridge. Beide haben also direkt an den Projekten mitgearbeitet, für deren Gesamtergebnis dann ihre Chefs den Preis bekamen.
Sie sind natürlich beide per 'Du' mit ihren ehemaligen Chefs und haben sie letzte Woche hierher eingeladen, um ein bisschen zu feiern und natürlich, um Vorträge über ihre Arbeit zu halten.
Aufgrund der Vulkanaschewolke konnte Venki Ramakrishnan leider nicht kommen, aber sein Vortrag wurde über einen Live-Videostream übertragen. Tom Steitz aber kam, und hielt dann gleich zwei Vorträge, weil er aufgrund des Flugverbots insgesamt 6 Tage hier in Århus fest sass.
Das muss man sich mal bildlich vorstellen: man sitzt an seinem Schreibtisch und plötzlich kommt der Chef um die Ecke, im Schlepptau seinen ehemaligen Chef, und sagt: "Hey, may I introduce you to Tom Steitz?" Ich springe also auf, schüttele Hände und sage "Oh,.... erm....hi!". Meine Kollegin ist da etwas geistesgegenwärtiger und sagt: "It's a pleasure!" Mist, warum ist mir das nicht eingefallen?
Naja, die Herren sind eh sehr beschäftigt und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind, wieder von der Türschwelle. Puh - erstmal von dem Schreck erholen.
Abends sitzt man dann nett beim Freitagsbierchen zusammen, und ein Kollege öffnet seine Bierflasche so schwungvoll mit dem Griff einer Gabel, dass der Kronkorken quer durch den Raum fliegt und mitten auf dem Hemd vom Chef landet. Neben ihm sitzt sein glanzumwobener Ex-Chef, macht grosse Augen und grinst. Tja, lacht Chef, ist eben alles etwas lockerer bei uns. Der Kollege versinkt natürlich beinahe im Erdboden und sagt, das sei nicht das, was er vorgehabt hätte. Nee, lachen wir, da hätte er noch einen Stuhl weiter zielen müssen. Worauf er erwidert, dass das wohl das einzige gewesen sei, was dieses Missgeschick noch schlimmer hätte machen können. Alles lacht, es ist ein netter Abend.
Am Ende sagt Herr Steitz: "There are good things happening in this group. Keep it up!".
Die Chance, mich persönlich noch richtig mit ihm zu unterhalten, ergab sich leider nicht mehr. Wie das so ist, sind solch berühmte Personen ja ständig umringt und ihre Aufmerksamkeit heiss umkämpft.
Dennoch waren seine Vorträge und allein die Anwesenheit sehr inspirierend und haben mich einmal mehr daran erinnert, warum ich Strukturbiologin geworden bin und nie etwas anderes machen wollen würde. Die Möglichkeit, das Unsichtbare sichtbar zu machen und die Maschinerie des Lebens zu verstehen ist (zumindest bisher) mit keiner anderen Methode als der unseren so direkt möglich - zumindest nicht so detailliert (man will ja keinen Eletronenmikroskopikern auf den Schlips treten). Und die Tatsache, dass keine andere Methode in den Lebenswissenschaften so viele Nobelpreise hervorgebracht hat, wie die Strukturanalyse (angefangen von Herrn Röntgen selbst - auch wenn der noch nicht wusste, was Röntgenkristallographie sein würde - über Max Perutz, Watson und Crick, zu John Walker, Roger Kornberg und eben Tom Steitz und Venki Ramakrishnan), gibt mir Recht, wenn ich sage: Das ist einfach der tollste und spannendste Beruf der Welt!
Okay, okay, ich höre ja schon auf. Aber manchmal muss man sich einfach selbst mal wieder daran erinnern, vor allem, wenn man gerade weniger angenehme Aufgaben zu erledigen hat, als die grossen Rätsel den Lebens zu entschlüsseln, zum Beispiel Literaturrecherche in Enzymkinetik....der ich mich jetzt leider wieder zuwenden muss. Seufz...
Sie sind natürlich beide per 'Du' mit ihren ehemaligen Chefs und haben sie letzte Woche hierher eingeladen, um ein bisschen zu feiern und natürlich, um Vorträge über ihre Arbeit zu halten.
Aufgrund der Vulkanaschewolke konnte Venki Ramakrishnan leider nicht kommen, aber sein Vortrag wurde über einen Live-Videostream übertragen. Tom Steitz aber kam, und hielt dann gleich zwei Vorträge, weil er aufgrund des Flugverbots insgesamt 6 Tage hier in Århus fest sass.
Das muss man sich mal bildlich vorstellen: man sitzt an seinem Schreibtisch und plötzlich kommt der Chef um die Ecke, im Schlepptau seinen ehemaligen Chef, und sagt: "Hey, may I introduce you to Tom Steitz?" Ich springe also auf, schüttele Hände und sage "Oh,.... erm....hi!". Meine Kollegin ist da etwas geistesgegenwärtiger und sagt: "It's a pleasure!" Mist, warum ist mir das nicht eingefallen?
Naja, die Herren sind eh sehr beschäftigt und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind, wieder von der Türschwelle. Puh - erstmal von dem Schreck erholen.
Abends sitzt man dann nett beim Freitagsbierchen zusammen, und ein Kollege öffnet seine Bierflasche so schwungvoll mit dem Griff einer Gabel, dass der Kronkorken quer durch den Raum fliegt und mitten auf dem Hemd vom Chef landet. Neben ihm sitzt sein glanzumwobener Ex-Chef, macht grosse Augen und grinst. Tja, lacht Chef, ist eben alles etwas lockerer bei uns. Der Kollege versinkt natürlich beinahe im Erdboden und sagt, das sei nicht das, was er vorgehabt hätte. Nee, lachen wir, da hätte er noch einen Stuhl weiter zielen müssen. Worauf er erwidert, dass das wohl das einzige gewesen sei, was dieses Missgeschick noch schlimmer hätte machen können. Alles lacht, es ist ein netter Abend.
Am Ende sagt Herr Steitz: "There are good things happening in this group. Keep it up!".
Die Chance, mich persönlich noch richtig mit ihm zu unterhalten, ergab sich leider nicht mehr. Wie das so ist, sind solch berühmte Personen ja ständig umringt und ihre Aufmerksamkeit heiss umkämpft.
Dennoch waren seine Vorträge und allein die Anwesenheit sehr inspirierend und haben mich einmal mehr daran erinnert, warum ich Strukturbiologin geworden bin und nie etwas anderes machen wollen würde. Die Möglichkeit, das Unsichtbare sichtbar zu machen und die Maschinerie des Lebens zu verstehen ist (zumindest bisher) mit keiner anderen Methode als der unseren so direkt möglich - zumindest nicht so detailliert (man will ja keinen Eletronenmikroskopikern auf den Schlips treten). Und die Tatsache, dass keine andere Methode in den Lebenswissenschaften so viele Nobelpreise hervorgebracht hat, wie die Strukturanalyse (angefangen von Herrn Röntgen selbst - auch wenn der noch nicht wusste, was Röntgenkristallographie sein würde - über Max Perutz, Watson und Crick, zu John Walker, Roger Kornberg und eben Tom Steitz und Venki Ramakrishnan), gibt mir Recht, wenn ich sage: Das ist einfach der tollste und spannendste Beruf der Welt!
Okay, okay, ich höre ja schon auf. Aber manchmal muss man sich einfach selbst mal wieder daran erinnern, vor allem, wenn man gerade weniger angenehme Aufgaben zu erledigen hat, als die grossen Rätsel den Lebens zu entschlüsseln, zum Beispiel Literaturrecherche in Enzymkinetik....der ich mich jetzt leider wieder zuwenden muss. Seufz...
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