Samstag, 7. Juni 2008
Gründlich EingeNORDet
So, die erste Arbeitswoche ist geschafft, wobei davon eigentlich zwei Tage schonmal nicht als Arbeitstage gezählt werden dürften. Am Mittwoch hatte das Insitut nämlich 40-jähriges Jubiläum und es gab ein Mini-Symposium mit anschließender Feier. Zunächst mutete dort auch alles wie bei einem ganz normalen Konferenz-Dinner an: schöner Saal, leckeres Essen und das übliche Unterhaltungsprogramm. Aber es sollte alles ganz anders kommen...dänisch eben.

Hier die Programmpunkte DIESER Feier:

1. Zur Vorspeise tritt ein Transvestit auf. Ich glaube, sie/er singt playback, aber man hört es durch den ganzen Essenslärm gar nicht. Irgendwie achtet auch kaum jemand darauf - was vielleicht auch ganz gut ist :-).

2. Ein wichtiger Mann stellt sich auf einen Tisch, sagt ein paar Worte (natürlich auf Dänisch), und fängt dann unvermittelt an zu singen. Die letzte Zeile jeder seiner Strophen wird einhellig von allen anwesenden im Saal echo-artig wiederholt. Ich verstehe natürlich die Lacher nicht, versuche aber, nicht allzu irritiert zu wirken.

3. Zum Hauptgang legt der Transvestit wieder eine Showeinlage ein. Mit Federboa und so. Ich frage mich im Stillen, was der Nobelpreisträger und Ehrengast Sir John Walker wohl gerade denkt.

4. Noch eine Rede (natürlich auch auf Dänisch). Lang. Sehr lang. Der Redner muss zwischendurch immer wieder kurz pausieren, weil ihm seine Stime abhanden kommt und seiner Kehle stattdessen seltsame Quietschlaute entweichen.

5. Ein Stand-Up Comedy Duo tritt auf. Noch mehr Dänisch. Ich beobachte meine dänischen Kollegen beim Lachen und langweile mich, zusammen mit den Kollegen aus Indien, Schweden, Frankreich und den USA...

6. Zettel werden ausgeteilt, jeder der etwa 250 Gäste bekommt einen. Eng bedruckt, Vor- und Rückseite: Dänisch. Das einzige Wort, das mir bekannt vorkommt, ist "Fallera". Mir schwant Böses. Kurz darauf singt der ganze Saal ein Loblied auf das "Molekulaerbiologisk Institut". Ich mache nur "Fallera" und freue mich, dass in das Lied extra Pausen zum Trinken eingebaut sind. Ich bereue, dass ich trotzdem noch zu nüchtern bin.

7. Dessert. Diesmal kein Auftritt.

8. Der Höhepunkt des Abends, wenn man von dem für noch später angekündigten Feuerwerk absieht: Es werden dänische Fähnchen verteilt, auf deren Rückseite....ja, Ihr ahnt es schon,... ein Liedtext (dänisch) aufgedruckt ist. Die Melodie dazu ist "Land of hope and Glory" aus Pomp and Circumstance (wem das nichts sagt, der klicke auf den nebenstehenden Link). Alle stehen auf, schwenken ihre Fähnchen und singen Ihre Hymne aufs Insitut, das Leben, das Bier und überhaupt. Ich lasse mich fotografieren, weil ich fürchte, dass mir das zu Hause niemand glauben wird.

9. Ich rechne mir aus, wieviel Bier ich noch trinken muss, um den nun folgenden Teil der Party schadlos zu überstehen, und beschließe, lieber nach Hause zu gehen, solange ich noch Chancen habe, den Weg zu finden.

Während ich meine Jacke anziehe bekomme ich noch mit, dass es diese Feier JEDES JAHR gibt, nicht etwa nur alle 10 Jahre.

Am nächsten Tag ist "Tag der Verfassung" und frei, was sich auch als sinnvoll erweist. Ich bin trotzdem im Institut und treffe ab mittag auf ein paar recht ausgezehrt aussehende Gestalten, die wohl noch länger gemacht haben....

Soviel also zu meiner ersten dänischen Woche. Dass es SO schnell mit Fähnchenschwenken losgeht, hatte ich nun doch nicht erwartet.
Aber man lernt die Kollegen nach ein paar Bier gleich besser kennen und hat auch gleich was zu lachen:
Wenn nämlich der Schwede plötzlich den Franzosen völlig verstört ansieht, als dieser mich fragt: "Do you already have a mail?", und ich darauf antworte: "Yes, it's called 'MBU'"weil er "Do you already have a male?" verstanden hat...

Fazit der Woche: Ich glaube, ich kann es hier eine Weile aushalten. ;-)

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